In Tunesien, Ägypten und Libyen haben die Völker ihre Diktatoren abgeschüttelt. In Syrien jedoch, dem engsten Verbündeten des Iran in der arabischen Welt, ist der friedliche Massenprotest zu einem verheerenden Bürgerkrieg eskaliert. Aufstand gegen die eigenen Tyrannen, lautet seitdem die Botschaft aus Damaskus für Teheran, zerstört nicht nur die eigene Zukunft, sondern auch die Zukunft der eigenen Kinder, am Ende vielleicht der gesamten Nation.

Die acht zugelassenen Kandidaten jedenfalls unterscheiden sich in ihren traditionell-konservativen Ansichten höchstens in Nuancen. Drei stehen in direkter Verbindung zum Obersten Revolutionsführer Chamenei – Gholam Ali Haddad Adel, Berater und Schwiegervater des Chamenei-Sohnes Mojtaba, Ali Akbar Velayati, außenpolitischer Berater, sowie Saeed Jalili, Chefunterhändler der Islamischen Republik in Atomfragen. Mohsen Rezai ist ehemaliger Kommandeur der Revolutionären Garden, der 72-jährige Mohammad Gharazi früherer Minister für Telekommunikation. Teherans Bürgermeister Mohammad Bagher Qalibaf brüstete sich kürzlich damit, er habe als Polizeioffizier 1999 protestierende Studenten eigenhändig verprügelt.

Lediglich Hassan Rowhani, ehemaliger Atomunterhändler Irans, sowie Mohammad Reza Aref, früherer Vizepräsident unter Mohammed Chatami, lassen zaghafte Unterschiede zu ihren konservativen Mitkonkurrenten erkennen. "Alle bestätigten Kandidaten sind entweder loyal zu Chamenei oder praktisch irrelevant", urteilt Alireza Nader vom amerikanischen Thinktank Rand Corporation. Die Disqualifikation von Rafsandschani zeige, dass Chamenei  entschlossen sei, jetzt die gesamte Macht an sich zu reißen. "Das Ganze scheint also eher die Selektion eines Präsidenten zu sein als die Wahl eines Präsidenten."