In Guatemala ist der frühere Diktator Efraín Ríos Montt wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 80 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Bei Verlesung des Urteils brachen im Gerichtssaal in Guatemala-Stadt Hunderte Menschen in Jubel aus.

Der heute 86-jährige Ríos Montt hatte sich 1982 an die Macht geputscht. Unter seiner nur 17 Monate dauernden Herrschaft massakrierte die Armee der Anklage zufolge Tausende Angehörige des Maya-Volks der Ixil, denen Ríos Montt die Unterstützung linker Rebellen vorwarf. Der Exdiktator habe es zugelassen, dass seine Soldaten mit einer "Politik der verbrannten Erde" gegen die Maya vorgingen; es soll Folter, Plünderungen und Vergewaltigungen gegeben haben.

Bei den Verbrechen im Departamento Quiché im Norden des Landes waren 1771 Ixil-Maya umgebracht worden. Mehr als hundert Angehörige der Opfer sagten als Zeugen aus; sie berichteten unter anderem über von Soldaten verübte Gräuel und Massenvergewaltigungen.

Ríos Montt nahm das Urteil mit versteinerter Miene auf. Als die Richterin sagte, dass aus seinem bisherigen Hausarrest nun ein Gefängnisaufenthalt werde, nickte er. Später sagte er einer Gruppe von Journalisten, das Gerichtsverfahren sei eine "internationale Politshow". Am Donnerstag hatte Ríos Montt seine Unschuld behauptet und jede Verantwortung für die Massaker zurückgewiesen.

Es war das erste Mal, dass ein ehemaliger Staatschef in seinem eigenen Land wegen Völkermords verurteilt wurde. Bisher wurden derartige Urteile nur von internationalen Gerichten gefällt. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International begrüßten das Urteil als bahnbrechend. 

Immunität bis 2012

Ríos Montt regierte Guatemala bis zu seinem Sturz durch den damaligen Verteidigungsminister im August 1983. Zwischen 1994 und 2003 war Montt Abgeordneter für die von ihm 1989 gegründete rechte Partei Republikanische Guatemaltekische Front. Bei der Präsidentschaftswahl 2003 kam er auf den dritten Platz. Von 2008 bis Januar 2012 schützte ihn sein Status als Parlamentsabgeordneter vor strafrechtlicher Verfolgung. Danach erlosch die Immunität.