Die oppositionelle syrische Nationale Koalition hat angekündigt, angesichts der jüngsten Eskalation des Bürgerkriegs nicht nach Genf zu fahren, um sich an den Friedensgesprächen zu beteiligen. "Die Nationale Koalition wird weder an einer internationalen Konferenz teilnehmen noch andere Bemühungen unterstützen, so lange die Milizen des Irans und der Hisbollah ihre Invasion Syriens fortsetzen", sagte der amtierende Präsident der Syrischen Nationalen Koalition, George Sabra, während einer Konferenz der Koalition in Istanbul .

Die vom Iran unterstützte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah kämpft mit den Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad um die Kontrolle der Rebellenstadt Kusair westlich von Damaskus . Auch der Iran unterstützt die Assad-Führung unter anderem mit Geld, Waffen und Beratern.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte der syrischen Opposition zuvor vorgehalten, die geplante Konferenz durch "unerfüllbare" Bedingungen zu sabotieren. Ein von der Opposition gefordertes Ultimatum für den Rücktritt Assads werde es so jedenfalls nicht geben: "Diese Bedingungen sind unerfüllbar, niemand wird ein Ultimatum setzen."

Die Idee für die Konferenz geht von den USA und Russland aus. Beide wollen so rasch wie möglich ein Treffen unter Beteiligung der syrischen Regierung und der Rebellen organisieren. Ein Datum steht bislang nicht fest. Assad sagte seine Teilnahme in einem Interview bereits zu.

Die Rebellen in Kusair setzten angesichts der anhaltenden Belagerung einen dramatischen Hilferuf ab. Kusair sei umzingelt und es sei unmöglich, die Hunderten von Verletzten aus der Stadt zu bringen oder ihnen medizinische Hilfe von außen zukommen zu lassen, sagte der Oppositionsvertreter Malek Ammar. Kusair drohe zerstört zu werden, hieß es.   

Herber Verlust für die Rebellen

Kusair ist zu einem der zentralen Schauplätze des syrischen Bürgerkriegs geworden, weil sich dort die Hisbollah offen in den Konflikt eingeschaltet hat. Damit droht eine Ausweitung der Kämpfe auf den ohnehin fragilen Libanon mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Region.

Der Verlust Kusairs wäre für die Rebellen ein herber Rückschlag. Zum einen haben sie in der Stadt Waffen und andere Nachschubgüter aus dem Libanon zwischengelagert. Zum anderen würde die Verbindung zwischen den von den Rebellen im Süden und im Norden gehaltenen Gebieten gekappt. Die Regierungstruppen wiederum könnten mit der Eroberung Kusairs eine Schneise von Damaskus zu Hochburgen ihrer Anhänger an der Mittelmeerküste schlagen.   

Syriens Präsident Assad versucht seit mehr als zwei Jahren, einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Dabei sind bereits mehr als 80.000 Menschen getötet worden. Millionen sind auf der Flucht.

Die EU hatte am Mittwoch entschieden, das Waffenembargo gegen Syrien auslaufen zu lassen. Präsident Assad lobte seinen Verbündeten Russland , dank seiner Waffenlieferungen habe seine Armee das Schlimmste überstanden.