US-Außenminister John Kerry hat erstmals davon gesprochen, dass es Beweise für einen Chemiewaffeneinsatz durch syrische Regierungstruppen gebe. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad habe eine "schreckliche Wahl" getroffen und die Bereitschaft gezeigt, zwischen 70.000 und 100.000 Menschen des eigenen Volkes zu töten sowie "Gas zu benutzen", sagte Kerry während eines Online-Chats seines Ministeriums mit dem Sender NBC

Für den Chemiewaffen-Einsatz gegen Rebellen gebe es nach Einschätzung der US-Regierung "starke Beweise", sagte Kerry. Die Führung in Damaskus "massakriert das Volk mit Scud-Raketen und Artillerie" und versuche, den Konflikt als von außen gesteuert darzulegen. Trotzdem setzt der Außenminister noch auf eine diplomatische Lösung des Konflikts. Wenn sich alle Seiten verantwortungsbewusst und verständigungsbereit zeigten, sei eine friedliche Beendigung des blutigen Bürgerkriegs möglich, sagte Kerry. Dieser Prozess werde allerdings "sehr, sehr schwierig".

Der Druck auf die US-Regierung wächst, in Syrien einzugreifen. Zum einen werfen oppositionelle Republikaner Präsident Barack Obama Untätigkeit und mangelnde Entscheidungskraft vor. Zum anderen verlangt die Türkei wegen der Hinweise auf Giftgaseinsätze ein Eingreifen. Obama hatte einen Chemiewaffeneinsatz als "rote Linie" für ein mögliches militärisches Eingreifen bezeichnet.

Erdoğan fordert US-Regierung zum Handeln auf

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan forderte die US-Regierung zum Handeln auf. Syrische Giftgas-Opfer seien in türkischen Krankenhäusern behandelt worden. Zudem gebe es Geheimdiensterkenntnisse über den Einsatz von rund 200 Raketen mit Giftgas. Dass die Opposition chemische Waffen eingesetzt haben könnte, bezeichnete Erdoğan als unwahrscheinlich.

Russland will trotz der gemeinsam mit den USA gestarteten Initiative für eine neue Syrien-Konferenz weiter Waffen an das Assad-Regime liefern. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, Russland werde Flugabwehrtechnik an Syrien liefern und damit bereits geschlossene Verträge erfüllen. Syrien müsse die Möglichkeit haben, sich gegen Luftangriffe zu wehren. Die Lieferung sei durch internationales Recht nicht verboten. Außenminister Guido Westerwelle forderte die Regierung in Moskau auf, Waffenlieferungen nach Syrien einzustellen und einer politischen Lösung eine Chance zu geben.

Seit Beginn des Konflikts in Syrien vor mehr als zwei Jahren haben bereits 1,4 Millionen Menschen das Land verlassen. Nach dem Freitagsgebet protestierten landesweit erneut zahlreiche Menschen gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad und gegen die Untätigkeit des Westens angesichts der jüngsten laut Aktivisten von der Armee verübten "Massaker". UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay forderte die internationale Gemeinschaft dringend zum Handeln auf.