Der frühere Adidas-Besitzer Bernard Tapie ist in Paris in Polizeigewahrsam genommen worden. Wie aus Justizkreisen verlautete, wurde Tapie von der Finanzpolizei zu dem Fall verhört, in dem auch die heutige IWF-Chefin Christine Lagarde eine wichtige Rolle spielt. Le Monde berichtete, die Justiz verdächtige ihn der Falschaussage in einer eidesstattlichen Versicherung vom Juli 2012.

In der Affäre um eine staatliche Millionenentschädigung für den skandalumwitterten Unternehmer wurden seit Mai bereits drei Ermittlungsverfahren wegen "bandenmäßig organisierten Betruges" eingeleitet, darunter gegen den heutigen France-Télécom-Chef Stéphane Richard, der einst Bürochef von Lagarde in deren Zeit als Finanzministerin war.

Es geht um eine staatliche Entschädigungszahlung an Tapie in Höhe von insgesamt rund 400 Millionen Euro im Jahr 2008, die er nach einem umstrittenen Schiedsverfahren erhielt. Dieses Schiedsverfahren wurde nach Aussagen von Richard offenbar auch vom Élysée-Palast unter dem damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy vorangetrieben.     

Bei der Justiz besteht der Verdacht, dass Tapie die Entschädigung auch deshalb erhielt, weil er den konservativen Präsidentschaftskandidaten Sarkozy im Wahlkampf 2007 unterstützte. Lagarde war einem Ermittlungsverfahren entgangen; ihr wurde von der Justiz ein Zwitterstatus zwischen Zeugin und Beschuldigter zugewiesen.

Fühlte sich von seiner Bank betrogen

Im Schiedsverfahren war Tapie offiziell das Geld zugesprochen worden, weil er bei seinem Adidas-Verkauf in den 1990er Jahren an die staatliche Bank Crédit Lyonnais offenbar zu wenig Geld von dem Institut bekommen hatte. 

Tapie ist eine der schillerndsten Figuren der französischen Wirtschaft und Politik. Unter anderem war er in den 1990er Jahren Minister für Stadtentwicklung unter dem sozialistischen Premier Pierre Bérégovoy. 2007 und 2012 unterstützte er aber Sarkozy. Tapie war auch Abgeordneter. Wegen verschiedener Vergehen wurde er mehrfach verurteilt und inhaftiert. Zeitweise war er Präsident des Fußballvereins Olympique Marseille; dabei holte er unter anderem die deutschen Spieler Klaus Allofs und Karl-Heinz Förster zu dem Club.