Die Eröffnung eines Taliban-Büros vorige Woche in Katar ist ein (möglicher) Durchbruch für die USA und die Aufständischen, aber nicht unbedingt für den Frieden in Afghanistan. Beide Seiten wollen vor allem Gefangene austauschen. Die Taliban halten seit 2009 Bowe Bergdahl fest, einen amerikanischen Soldaten. Washington will dessen Freilassung vor dem Abzug seiner Kampftruppen Ende 2014 erreichen, die Taliban dafür die fünf hochrangiger Funktionäre, die in Guantánamo festgehalten werden. Gespräche darüber waren bereits 2012 einmal gescheitert, weil der republikanisch dominierte Kongress blockierte. Das Wahljahr ist zwar vorüber, aber die Bedenken der US-Legislative bestehen weiter.

Für den Frieden in Afghanistan könnte sich ein eventueller Dialog in Katar sogar als kontraproduktiv erweisen. Denn der Konflikt hat mehr Dimensionen als nur den Krieg zwischen US-Truppen und ihren Verbündeten auf der einen sowie den Aufständischen auf der anderen Seite.

Das Büro und eventuelle Gespräche werten die Taliban grundsätzlich auf, die sich unter ihrem alten Namen Islamisches Emirat Afghanistan (IEA) als weiterhin legitime Regierung präsentieren. Sie geben ihnen eine Quasi-Anerkennung als offizielle Konfliktpartei. Das geht auf Kosten der afghanischen Regierung, die bei den Kontakten in Katar außen vor bleibt. Präsident Hamid Karsais Reaktion beweist das: Er hat die Gespräche über ein Strategisches Verteidigungsabkommen mit den USA für die Zeit nach 2014 suspendiert und verlangt ein offizielles Schreiben der US-Regierung, dass seine als die einzig legitime Regierung Afghanistans unterstützt.

Allerjüngste pakistanische Medienberichte dürften seine Furcht verstärkt haben, fallen gelassen zu werden: Der dortige Militärchef Kayani soll US-Außenminister Kerry geraten haben, sich zu entscheiden, entweder Washingtons Mann in Afghanistan zu retten oder den Frieden dort. Karsai verlangt deshalb auch, dass alle Taliban-Gespräche über ihn laufen und neuerdings sogar, dass sie in Kabul stattfinden sollen. Das ist genauso unrealistisch wie Washingtons Ansatz, ihn – entgegen handfesten Fakten – mit Phrasen von einem "afghanisch geführten" Gesprächsprozess abspeisen zu wollen. 

Kein nationaler Konsens

Selbst wenn der Katar-Dialog über den Gefangenenaustausch hinausginge, Kabul auf irgendeinem Wege einbezöge und damit zu Friedensgesprächen aufgewertet würde, stehen einem positiven Ausgang zahlreiche weitere Hürden im Wege. Zunächst fehlt es, trotz gegenteiliger Behauptungen Karsais, an einem nationalen afghanischen Konsens darüber, ob man überhaupt mit den Taliban reden sollte – und wenn, worüber genau und zu welchen Konzessionen man gegebenenfalls bereit wäre. Vor allem menschenrechtsorientierte Teile der afghanischen Zivilgesellschaft sowie die systeminterne Opposition lehnen Gespräche ab, auch wenn Letztere inzwischen zumindest eigene Sondierungen mit den Taliban begonnen hat.

Darüber hinaus wollen die Taliban bislang überhaupt nicht mit Karsais Regierung reden. Während der Eröffnungspressekonferenz für ihr Katar-Büro würdigten sie sie keines Wortes – und bezeichnen sie ansonsten öffentlich als "Marionettenregime".