Australiens Regierungschefin Julia Gillard hat zwölf Wochen vor den Parlamentswahlen den Parteivorsitz ihrer Labor-Partei verloren. In einer Kampfabstimmung unterlag sie ihrem Amtsvorgänger Kevin Rudd mit 45 zu 57 Stimmen. Zuvor hatten beide Rivalen angekündigt, sich im Falle einer Niederlage aus der Politik zurückzuziehen. Mit Gillards Rücktritt wird deshalb am Donnerstag gerechnet.

Für Gillard war es die dritte Vertrauensabstimmung seit den Parlamentswahlen im Jahr 2010. Da ihr stetig sinkender Rückhalt in der Bevölkerung laut einer Umfrage vom Dienstag ein Rekordtief erreicht hat, fürchtet ihre Partei eine Niederlage gegen die Liberalkonservativen bei den Parlamentswahlen am 14. September. Viele Sozialdemokraten befürworteten deshalb eine Rückkehr Rudds auch an die Regierungsspitze, den Gillard 2010 aus dem Amt gedrängt hatte. Damit der charismatische Exdiplomat das Amt übernehmen kann, muss Gillard ihren Rücktritt einreichen.

Rudd ist nach dem Votum zwar neuer Parteichef von Labor, aber nicht automatisch Ministerpräsident. Um von Gillard auch die Regierungsgeschäfte übernehmen zu können, muss Rudd die Unterstützung einer Mehrheit der Abgeordneten im australischen Repräsentantenhaus nachweisen. Gelingt ihm das nicht, könnte Oppositionsführer Tony Abbott gebeten werden, eine Übergangsregierung zu bilden. Die Wahlen könnten dann in den August vorverlegt werden.

Vor fast genau drei Jahren hatte Gillard Rudd mit einem ähnlichen Manöver an der Parteispitze abgelöst und hatte anschließend auch das Amt der Ministerpräsidentin übernommen. Er machte zunächst gute Miene zum bösen Spiel und diente als Außenminister. Doch diese Zwangsehe dauerte nur 20 Monate: Im Februar 2012 forderte Rudd sie im Kampf um den Parteivorsitz heraus, scheiterte aber mit 31 zu 71 Stimmen. Gillard feuerte ihn dann.

Die Labor-Partei liegt in der Sympathie der Wähler deutlich hinter der konservativen Opposition. Nach jüngsten Umfragen könnte sie die Hälfte ihrer 71 Sitze verlieren.