Die Europäische Union wird bald aus 28 Mitgliedstaaten bestehen: Am 1. Juli tritt Kroatien der EU bei . Vertreter der EU-Kommission, des Europaparlaments sowie Staats- und Regierungschefs wollen den EU-Beitritt am Sonntag Abend in der kroatischen Hauptstadt Zagreb feiern.

Allerdings wird Bundeskanzlerin Angela Merkel der Feier fernbleiben. Merkel reise wegen Terminüberschneidungen nicht wie anfangs geplant nach Zagreb, hieß es. Kroatische Medien berichteten, Merkel komme nicht, weil Kroatien den langgesuchten, ehemaligen Geheimdienstchef Josip Perković nicht an Deutschland ausliefere. Ihre Abwesenheit sei eine "diplomatische Ohrfeige in Kroatiens Gesicht", kommentierten Zeitungen und Politiker.

Perković soll 1983 die Ermordung eines Dissidenten in Bayern in Auftrag gegeben haben und wird vom Bundeskriminalamt per internationalem Haftbefehl gesucht. Ein Sprecher Merkels widersprach diesen Berichten. 

Merkel ( CDU ) hieß Kroatien in ihrem Podcast willkommen, verwies aber gleichzeitig darauf, dass noch Reformen nötig seien. "Kroatien musste sich sehr ändern", sagte die Kanzlerin, "gerade im Bereich der Rechtssicherheit und der Korruptionsbekämpfung sind noch viele weitere Schritte zu gehen." Die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt müssten reformiert werden. Dies gelte aber nicht nur für das neue Mitgliedsland, sondern "für uns alle", sagte Merkel. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler begrüßte Kroatien per Twitter.

Weitere Europäische Politiker gratulierten dem Land zum Beitritt, mahnten aber ebenfalls Reformen an. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz begrüßte den Beitritt und  sprach von einem Zuwachs "unsere Familie der Werte, die Demokratie, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit". Dies sei ein "historischer Tag". Allerdings werde die EU-Mitgliedschaft allein nicht die wirtschaftlichen Probleme Kroatiens und anderer Krisenländer lösen. 

Hoffen auf den Euro

Der kroatische Regierungschef Zoran Milanović hatte am Samstag den Beitritt als Wendepunkt in der Entwicklung des Landes bezeichnet. Gleichzeit mahnte auch er an: "Unser Erfolg liegt jetzt einzig in unseren Händen." Der kroatische Notenbankchef Boris Vujčić sagte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung , sein Land wolle der Euro-Zone so schnell wie möglich beitreten. Allerdings werde Kroatien erst in vier bis fünf Jahren dazu bereit sein, derzeit verfehle es die Kriterien für Inflation und Haushaltsdefizit. "Bis dahin müssen die Probleme im Euro-Raum gelöst sein, sonst bekommen wir große Probleme", erklärte Vujčić. Die Vorteile des Euro lägen für Kroatien darin, dass die Zinsen sinken und die Planungssicherheit für Investoren steigen würden.

Kroatien ist nach Slowenien das zweite EU-Mitgliedsland aus dem ehemaligen Jugoslawien . Wie bei dem Beitritt 2007 von Rumänien und Bulgarien gab es in Deutschland gegen die Aufnahme Kroatiens Vorbehalte, etwa wegen der Mängel im Justizwesen und bei der Korruptionsbekämpfung. Im März hatte die EU-Kommission Kroatien trotz der Schwierigkeiten im Kampf gegen die organisierte Kriminalität und der Korruption bescheinigt, reif für die Aufnahme zu sein. 

Auch an der Spitze der Europäischen Union gibt es zum Juli Veränderungen. Am Montag übernimmt Litauen als erster Staat der ehemaligen Sowjetunion die EU-Ratspräsidentschaft für die nächsten sechs Monate. Die baltische Republik führt ihre erste Ratspräsidentschaft unter dem Motto "glaubwürdiges, wachsendes und offenes Europa". Die Präsidentschaft soll auch genutzt werden, um die Partnerschaft der EU mit den östlichen Nachbarländern voranzutreiben. Nach Litauen wird Griechenland die Aufgabe übernehmen.