Die Besetzer des Istanbuler Gezi-Parks wollen trotz des Einlenkens des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdoğan ihre Proteste fortsetzen. "Wir werden unseren Widerstand angesichts der Ungerechtigkeiten in unserem Land fortführen", teilte das Protestbündnis Taksim-Solidarität am Samstag nach nächtlichen Beratungen mit. "Heute sind wir noch stärker, besser organisiert und optimistischer als vor 18 Tagen" zu Beginn der Proteste, hieß es in ihrer Mitteilung.

Vertreter des Bündnisses hatten sich am Donnerstagabend mit Erdoğan in dessen Residenz in der Hauptstadt Ankara getroffen. Anschließend teilte die Regierung mit, sie werde das Bauprojekt im Gezi-Park bis zu einem Gerichtsurteil aussetzen und dann die Bürger Istanbuls in einer Volksabstimmung darüber abstimmen lassen. Die Demonstranten, die den Istanbuler Park seit gut zwei Wochen besetzt halten, rief Erdoğan dazu auf, das Gelände binnen weniger Stunden zu verlassen.

Der Gezi-Park ist eine der wenigen Grünflächen in Istanbul . Die Regierung plant dort den Nachbau einer osmanischen Kaserne, in der Wohnungen, Geschäfte oder ein Museum entstehen sollen. Dagegen hatten zahlreiche Demonstranten zu Beginn der Proteste demonstriert. Ihr Protest weitete sich bald aus: Angesichts des harten Vorgehens der Polizei und der unnachgiebigen Haltung der Regierung kam es zu Widerstand in vielen anderen türkischen Städten.

Inzwischen richten sich die Proteste vor allem gegen Ministerpräsident Erdoğan, dem die Demonstranten einen autoritären Regierungsstil und die Missachtung abweichender Meinungen vorwerfen.

Die Istanbuler Demonstranten fordern, den Gezi-Park in seiner jetzigen Form zu erhalten. Außerdem wollen sie, dass die Verantwortlichen für die Polizeigewalt strafrechtlich verfolgt, die bei den Protesten Festgenommenen freigelassen werden und die Demonstrations- und Meinungsfreiheit in der Türkei durchgesetzt wird.