Der Streit über die Zukunft des Staatssenders ERT hat die griechische Regierung in eine schwere Krise gestürzt. Nachdem das dritte Spitzentreffen der Koalition in Athen am Donnerstagabend ohne Einigung zu Ende ging, deutete Ministerpräsident Antonis Samaras eine mögliche Verkleinerung des Bündnisses von drei auf zwei Partner an. EU-Kommission und Euro-Gruppe mahnten die griechische Regierung, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

Samaras, der auch Chef der konservativen Nea Dimokratia ist, hatte sich am Donnerstagabend erneut mit dem Vorsitzenden der Linkspartei Dimar, Fotis Kouvelis, und dem Parteichef der sozialistischen Pasok , Evangelos Venizelos, getroffen. "Wir haben keinen gemeinsamen Boden gefunden", sagte Linken-Chef Kouvelis, zu der Schließung des ERT . Er strebe an, dass der Staatsrundfunk weiter offen bleibe und dann reorganisiert werde. Dies habe Regierungschef Samaras abgelehnt. Venizelos, der das Aus für den Staatssender ebenfalls für falsch hält, bezeichnete die Situation als "besonders kritisch" für das Land. Er sagte, die Pasok wolle das Dreierbündnis fortsetzen.

Samaras machte in einer Fernsehansprache deutlich, dass er seine Regierung notfalls ohne Dimar fortsetzen werde. "Wir hoffen auf die Unterstützung von Dimar, aber wir machen mit oder ohne sie weiter", sagte er. "Niemand will jetzt Neuwahlen." Die Regierung, die seit genau einem Jahr im Amt ist, werde ihr auf vier Jahre angelegtes Mandat voll erfüllen, sagte Samaras.

Falls Dimar aus der Koalition ausstiege, hätten Pasok und Nea Dimokratia nur noch eine knappe Mehrheit von 153 Sitzen im Parlament mit insgesamt 300 Abgeordneten. Für Freitagmorgen ist ein Treffen der Dimar-Fraktion geplant.

In Bezug auf ERT sagte Samaras, die "schwarzen Bildschirme" würden verschwinden, "aber wir werden nicht zur Situation der Vergangenheit zurückkehren, die von Sünden beschmutzt war." Der Regierungschef hatte die Schließung des Senders mit dort herrschender Intransparenz und Verschwendung begründet.

Medienberichten zufolge wiederholte das oberste griechische Verwaltungsgericht, der Staatsrat, seine Entscheidung vom Montag, wonach ERT bald die Arbeit wieder aufnehmen müsse. Diese hatte bisher keine Auswirkungen. Die Schließung des Senders mit fünf Fernseh- und 24 Radioprogrammen hatte fast 2.700 Menschen den Job gekostet.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte nach einem Treffen der Euro-Gruppe in Luxemburg , er appelliere "an das Verantwortungsbewusstsein der politischen Verantwortlichen für das Wohl Griechenlands und Europas". Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem rief die Koalitionspartner in Griechenland auf, die Voraussetzungen für die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem internationalen Hilfsprogramm für das Land im Juli zu schaffen.

Der Internationale Währungsfonds ( IWF ) wies den Eindruck zurück, die ERT-Schließung gehe auf eine Forderung des Fonds zurück, der gemeinsam mit den Europäern das milliardenschwere Hilfspaket für Griechenland schultert. "Die kürzlich gefallenen Entscheidungen in Bezug auf den Staatssender waren Entscheidungen der Regierung", erklärte IWF-Sprecher Gerry Rice.