Endlich also findet Barack Obama wieder Zeit für Afrika. Nicht einmal 24 Stunden hat der US-Präsident, dessen Vater aus Kenia stammt, südlich der Sahara verbracht, seit er 2008 zum ersten Mal gewählt wurde. Vier Jahre ist diese Reise her, die ihn nach Ghana führte. Seitdem bestimmten andere Prioritäten Obamas Politik: Es galt, Kriege zu beenden im Irak und in Afghanistan; Syrien, der Iran, auch Nordkorea erschienen dringender; strategisch richtete der Präsident die amerikanische Außenpolitik verstärkt nach Asien aus.

An diesem Mittwoch nun reist er für eine Woche in den Senegal, nach Südafrika und Tansania. Viel zu spät, sagen manche. In die falschen Länder, beklagen andere. Warum überhaupt, fragen jene, die nicht verstehen, warum ein solcher Trip bis zu 100 Millionen Dollar kosten soll: Hunderte Agenten des Secret Service werden im Einsatz sein, eine schwimmende Klinik wird vor den Küsten bereitstehen, 56 Fahrzeuge werden eingeflogen, darunter allein 14 Limousinen, 3 Trucks transportieren schusssichere Verkleidungen für die Fenster der Hotels, in denen der Präsident übernachtet, und rund um die Uhr patrouillieren Kampfjets über dem Luftraum.

Trotz der Kritik an diesem Aufwand bezeichnet das Weiße Haus die Reise als überfällig und von großer Bedeutung. "Wenn die Vereinigten Staaten in Afrika nicht die Führung übernehmen, werden wir in einer sehr wichtigen Region der Welt zurückfallen", sagte der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Ben Rhodes. Dem Kontinent habe man bislang nicht wirklich Zeit und Aufmerksamkeit widmen können, räumte er ein. Es läge aber nicht im Interesse der USA, sich genau zu der Zeit zurückzuziehen, wenn andere Nationen dort Fuß fassten und ihre eigenen Investitionen erhöhten. Ausdrücklich nannte Rhodes China, das "in das Spiel einsteigt" und in Afrika ein wirtschaftlicher Konkurrent sei.

Die Chinesen haben die Amerikaner als wichtigsten Handelspartner dort längst abgehängt. Im vergangenen Jahr erreichte der Handel zwischen Afrika und China ein Volumen von 200 Milliarden Dollar, der mit den USA lag nur bei gut 95 Milliarden Dollar. Der Fokus, den Obama mit seiner Reise auf ökonomische Interessen legt, ist deshalb verständlich. Neben dem neuen Handelsbeauftragten Michael Froman begleiten ihn eine ganze Reihe CEOs amerikanischer Unternehmen; aus dem Privatsektor gebe es großes Interesse an neuen Handels- und Investitionsmöglichkeiten in afrikanischen Ländern, sagte Rhodes.

Kalter Krieg um wirtschaftliche Interessen?

Politisch und militärisch haben die USA auf dem Kontinent gegenüber China immer noch den größeren Einfluss. Dabei geht es vor allem um Sicherheitsinteressen, auch ein Thema auf Obamas Reise: Allein mit den Armeen von 35 Staaten unterhalten die USA Kooperationen in der Terrorbekämpfung; rund 3.000 amerikanische Militärberater sind in Afrika aktiv, unter anderem von Dschibuti, Äthiopien oder Niger aus können US-Drohnen starten. Diplomatisch waren die USA Geburtshelfer für den neuen Staat Südsudan oder daran beteiligt, Guinea und die Elfenbeinküste aus schweren Unruhen wieder auf einen demokratischen Weg zu bringen. Auf diesem Feld haben die Amerikaner von den Chinesen vorerst nichts zu befürchten, auch weil sie ihr Engagement zuletzt weiter ausgebaut haben.

Die wirtschaftliche Konkurrenz wirkt dagegen gelegentlich wie ein neuer Kalter Krieg um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. Die Amerikaner üben dabei durchaus zu Recht Kritik an den chinesischen Methoden: Sie investieren viel, mehr als 12 Milliarden Dollar waren es 2011, wenn es ihren Interessen dient – Bedingungen stellen sie nicht.