Der gemäßigte Geistliche Hassan Ruhani hat die Präsidentschaftswahl im Iran gewonnen. Ruhani erreichte bei der Abstimmung 50,68 Prozent der Stimmen. Das teilte Innenminister Mostafa Mohammad Nadschar unter Berufung auf das vorläufige Endergebnis mit.

Damit hat sich Ruhani, der von Reformern und Gemäßigten unterstützt wurde, überraschend schon im ersten Wahlgang durchgesetzt. Der 64-Jährige folgt auf den Konservativen Mahmud Ahmadinedschad, der nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten durfte. Während das konservative Lager gespalten mit mehreren Kandidaten ins Rennen gegangen war, hatten sich Reformer und Moderate hinter Ruhani versammelt.

Durch seine Kritik an der Überwachung von Presse, Internet und Universitäten sowie sein Versprechen, die Diskriminierung der Frauen zu bekämpfen, gilt Ruhani als Hoffnungsträger der urbanen Mittelschicht. Der frühere Atomunterhändler gehört allerdings selbst nicht explizit der Reformbewegung an. Ein grundlegender Kurswechsel wird daher nicht erwartet.

Im Wahlkampf sprach sich Ruhani allerdings für eine Annäherung an den Westen im Atomstreit aus, um eine Aufhebung der Sanktionen zu erreichen. Diese führten seit dem vergangenen Jahr zu einer dramatischen Wirtschaftskrise mit stark steigender Inflation, einem massiven Wertverlust der Währung und einer erheblichen Störung des Handels.

Als Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats führte Ruhani in den Jahren 2003 bis 2005 die Atomverhandlungen mit dem Westen. Damals willigte er in die Aussetzung der Urananreicherung ein und stimmte unangekündigten Inspektionen zu.