Russland hat sein gesamtes Militärpersonal aus Syrien abgezogen. Weder militärische noch zivile Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums befänden sich zum jetzigen Zeitpunkt mehr in dem vom Bürgerkrieg verwüsteten Land , berichtete die russische Tageszeitung Wedomosti und beruft sich dabei auf anonyme Regierungsvertreter.

Sogar der strategisch entscheidende Militärstützpunkt Tartus im alawitischen Kernland der Assad-Regierung sei nicht mehr bemannt. Nicht betroffen von dem Personalabzug seien jedoch laut Wedomosti die Techniker, die den Streitkräften Assads bei technischen Fragen zum Einsatz der Waffen helfen.

Seit mehreren Jahren schon schicken russische Waffenlieferanten den syrischen Regierungstruppen Waffen – darunter Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Luftabwehrraketen und andere schwere Waffensysteme. Die Regierung in Moskau beharrt trotz scharfer Kritik aus vielen Ländern weltweit darauf, mit seinen Exporten lediglich Verträge einzuhalten, die schon vor Beginn des Syrien-Konflikts im März 2011 abgeschlossen wurden. Seit dem Beginn des Konflikts in Syrien wurden nach UN-Angaben mehr als 90.000 Menschen getötet .

Versorgungspunkt statt Militärbasis

Grund für den Abzug des russischen Militärpersonals sei nach Wedomosti -Angaben das Bestreben der Regierung in Moskau, politische Komplikationen durch russische Opfer im Syrien-Konflikt auszuweichen . Der russische Vizeaußenminister Michail Bogdanow hatte den Abzug bereits am vergangenen Freitag angedeutet.

Die russische Marinebasis in Tartus wurde 1971 eröffnet. Der Stützpunkt soll bereits seit Monaten nur noch mit wenigen von Moskau entsandten Mitarbeitern besetzt gewesen sein. Offiziell sprachen die Russen von der Militärbasis stets als "militärisch-technischen Versorgungspunkt der russischen Marine" statt von einem Marinestützpunkt im engeren Sinne. Militärexperten halten die Bezeichnung allerdings für eine Untertreibung.