Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat die US-Regierung kurz vor Beginn des G-8-Gipfels vor Militärmaßnahmen im Syrienkonflikt gewarnt. Lawrow bekräftigte die russischen Zweifel an einem Giftgas-Einsatz in dem Bürgerkriegsland und forderte eine unabhängige Analyse. Am Rande des G-8-Gipfels am Montag in Nordirland ist ein bilaterales Treffen zwischen Russlands Staatschef Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama zu dem Thema geplant.

Angesichts der Spekulationen über die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien sagte Lawrow: "Man muss kein Experte sein, um zu verstehen, dass dies gegen internationales Recht verstoßen würde." Flugverbotszonen müssen vom UN-Sicherheitsrat beschlossen werden. Russland ist dort permanentes Mitglied und hat somit ein Veto-Recht.

Das Weiße Haus hatte am Donnerstag erklärt , das Regime von Syriens Machthaber Baschar al-Assad habe im Kampf gegen die Aufständischen tödliche Giftgase eingesetzt und damit eine "rote Linie" überschritten. Washington will nun Medienberichten zufolge mithilfe des Geheimdienstes CIA den syrischen Rebellen Kleinwaffen und Munition liefern. 

Putin hat den syrischen Regierungstruppen weitere Waffenlieferungen zugesagt. Russland beliefert Assad seit langer Zeit mit Waffen. Die USA und Russland bereiten gemeinsam eine internationale Friedenskonferenz für Syrien vor, die zuletzt auf Juli verschoben wurde und deren Erfolgschancen als gering gelten.    

Westerwelle will mehr humanitäre Hilfe

Bundesaußenminister Guido Westerwelle ( FDP ) stellte in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung noch einmal klar, dass Deutschland keine Waffen liefern werde. Stattdessen werde man sich humanitär engagieren. Eine von Deutschland bezahlte Lieferung von mehreren hundert Schutzwesten und Paketen für die medizinische Notversorgung stehe unmittelbar bevor.

Dass Waffen aus dem Westen militanten Islamisten oder Extremisten in die Hände fallen könnten, ist das Hauptargument derjenigen, die militärische Hilfe für die Aufständischen ablehnen. Denn auch Gruppen, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehen, kämpfen in Syrien an der Seite der Rebellen gegen das Assad-Regime.

Der Republikchef der russischen Konfliktregion Tschetschenien , Ramsan Kadyrow , wies beispielsweise darauf hin, dass die syrische Opposition seit Monaten Kämpfer aus dem islamisch geprägten Gebiet anwerbe. Nach Erkenntnissen des Moskauer Inlandsgeheimdienstes FSB kämpfen bis zu 200 radikale Islamisten aus dem Nordkaukasus in Syrien auf der Seite der Rebellen.

Die oppositionelle Freie Syrische Armee wollte nach Angaben ihres Sprechers Luai al-Mekdad bereits am Samstag mit Vertretern arabischer und westlicher Staaten über ihren Waffenbedarf und die militärische Situation in dem Land beraten.

Mehr als 93.000 Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen bislang im syrischen Bürgerkrieg ums Leben gekommen.