Tausende Menschen haben in Istanbul aus Solidarität mit den Kurden demonstriert. Viele Demonstranten versammelten sich auf den Straßen, die zum Taksim-Platz führen, da die Polizei sie nicht auf den Platz gelassen hatte. Einige von ihnen riefen: "Mordende Polizei, raus aus Kurdistan".

Der Hintergrund: Vergangenen Freitag hatte eine paramilitärische Polizeieinheit in der Provinz Diyarbakir, im Südosten der Türkei, einen Mann erschossen, der zusammen mit etwa 200 anderen Menschen gegen den Ausbau eines Postens der militärisch organisierten Gendarmerie in der kurdisch geprägten Stadt Lice protestierte.

Bei der Beerdigung des Mannes am Samstag hatten Hunderte Antiregierungsparolen gerufen. Mit dem Protestzug am Wochenende machten die Demonstranten auch ihrer Verärgerung über die Freilassung eines Polizisten Luft, der sich wegen der Tötung eines Demonstranten in Ankara vor Gericht verantworten muss.

Mehrere Demonstranten festgenommen

Die Polizei forderte die Menschenmenge in Istanbul nach rund zwei Stunden auf, sich aufzulösen. Dabei wurden mehrere Menschen festgenommen, darunter auch Ausländer.

Bei Protesten in Lice wurden laut türkischen Medien mindestens neun weitere Menschen verletzt. Hier war es zu Unruhen gekommen, einige Demonstranten warfen nach Angaben der türkischen Regierung Steine und Brandsätze. Die Gendarmerie setzte Tränengas ein und feuerte mit scharfen Waffen. Während die türkische Seite von Warnschüssen sprach, berichtete die kurdische Agentur Firat, die Gendarmerie habe auf Demonstranten geschossen.

Die neue Gewalt bedeutet einen Rückschlag für die Bemühungen um eine friedliche Lösung des jahrzehntelangen Kurdenkonflikts in der Türkei.