Der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman hat Ministerpräsident Petr Nečas den Rücktritt nahegelegt. Auf die Frage, ob die bürgerlich-konservative Regierung fortbestehen solle, sagte Zeman: "Ich halte die erhobenen Anschuldigungen für sehr schwerwiegend." Nach Gesprächen mit Polizei und Staatsanwaltschaft stehe für ihn fest, dass die Korruptionsvorwürfe mit ausreichenden Beweisen belegt seien.

Der Präsident kann den Regierungschef in Tschechien nicht selbst abberufen. Die oppositionellen Sozialdemokraten haben im Abgeordnetenhaus einen Misstrauensantrag eingereicht, der am Dienstag zur Abstimmung kommen soll. Ein Erfolg der linken Opposition gilt aber als wenig wahrscheinlich. 

Eine Sondereinheit der Polizei gegen organisierte Kriminalität hatte am Donnerstag Vertraute und Parteifreunde von Nečas festgenommen, darunter seine Bürochefin Jana Nagyová. Nagyová soll den Geheimdienst mit der Bespitzelung von Nečas' Ehefrau beauftragt haben. Zwei frühere Abgeordnete stehen zudem unter Verdacht, ihr Mandat gegen finanzielle Vergünstigungen niedergelegt zu haben.

Der liberal-konservative Regierungschef lehnt einen Rücktritt ab und bestreitet jegliche Schuld. Die Korruptionsvorwürfe beträfen politische Abmachungen innerhalb seiner Partei, die nicht kriminell seien. Die Mitte-rechts-Regierung um Nečas hat keine sichere Mehrheit im Parlament und hängt nun stark vom Koalitionspartner ab, der die Vorwürfe bislang nicht öffentlich bewertet hat.