Die Außenminister der EU haben sich nach Angaben von EU-Diplomaten darauf geeinigt, ein weiteres Kapitel der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu eröffnen. Die dazu notwendige Beitrittskonferenz soll aber erst in einigen Monaten stattfinden, wenn die EU-Kommission den nächsten Fortschrittsbericht zur Türkei vorlegt. Das ist für Oktober geplant.

Mit dem Schritt folgen die Minister einem Kompromiss, den der deutsche Außenminister Guido Westerwelle vorgeschlagen hatte.

Schon vor dem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg hatte sich Westerwelle zuversichtlich gezeigt, eine Lösung für den Konflikt zwischen der Europäischen Union und der Türkei zu finden. "Ich habe gestern Nacht mit dem türkischen Außenminister Ahmed Davutoglu noch ein sehr gutes, ein sehr konstruktives Gespräch gehabt, sodass ich es für möglich halte, dass wir hier heute zu einer Einigung kommen", sagte der FDP-Politiker am Morgen. Er habe seinen Kompromissvorschlag nach Gesprächen mit allen Beteiligten noch einmal angepasst.

Eigentlich hatte man der Türkei konkret in Aussicht gestellt, das nächste Verhandlungskapitel schon am morgigen Mittwoch offiziell zu eröffnen. Weil die Türkei aber seit Tagen hart gegen Demonstranten im Land vorgeht, hatte vor allem Deutschland Bedenken angemeldet. In den vergangenen Tagen hatte es deshalb Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei gegeben. 

Die Beitrittsverhandlungen sind in 35 Kapitel unterteilt, von denen nunmehr insgesamt 14 mit Einstimmigkeit der EU-Regierungen eröffnet und lediglich eines bereits geschlossen wurden. Der bisher letzte Themenbereich war im Juni 2010 eröffnet worden.