Am Dienstagabend stand es fest:Ägyptens staatliches Fernsehen meldet, dass Exfinanzminister Hazem al-Beblawi Übergangspremier wird, Vizepräsident und Außenminister soll Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei sein. Der 76-Jährige Hazem al-Beblawi, ein liberaler Wirtschaftsfachmann, war nach dem Sturz von Hosni Mubarak 2011 bereits für ein halbes Jahr Finanzminister und Vizepremier im Übergangskabinett von Premier Essam Sharaf. Er trat von allen Ämtern zurück nach einem Massaker von Soldaten an koptischen Demonstranten am 9. Oktober 2011 vor dem staatlichen Fernsehgebäude am Maspero.

Damals waren mehrere Panzerwagen wahllos in die Menge gerast und hatten zwei Dutzend Menschen zermalmt. Auf Videos waren Soldaten zu sehen, die von den gepanzerten Fahrzeugen herunter in die Menge schossen. Keiner der verantwortlichen Offiziere ist jemals dafür zur Verantwortung gezogen worden.

Nach den Untaten gegen Mitglieder der Muslimbrüder am Montag vor der Kaserne der Republikanischen Garden mit über 50 Toten waren die Vorfälle am Maspero die schwersten Übergriffe von Soldaten gegen die Zivilbevölkerung in der jüngeren Geschichte Ägyptens. Auch damals hatte die Armeeführung zunächst behauptet, die koptischen Christen hätten auf Soldaten geschossen und mehrere getötet, was sich anschließend als falsch herausstellte.

Hazem al-Beblawi wurde am 17. Oktober 1936 geboren, studierte Jura an der Universität von Kairo und promovierte 1964 an der Sorbonne in Paris. Er begann seine Karriere als Universitätsdozent in Alexandria und Kairo, bevor er als Manager in den Bankensektor wechselte. Von 1995 bis 2000 arbeitete er bei den Vereinten Nationen. Von 2001 bis 2011 war er Berater beim Arabischen Währungsfonds in Abu Dhabi. Nach der Revolution in Ägypten gründete er die ägyptische Sozialdemokratische Partei mit.  

Im Westen populärer als in der Heimat

Der wahrscheinlich bekannteste Twitterer Ägyptens ist Mohamed ElBaradei. Seit er 2011 am Vorabend des ersten Revolutionstages wieder in seiner alten Heimatstadt Kairo gelandet war, meldete er sich fortan mit beißender Kritik zu Wort – erst gegen Hosni Mubarak, dann gegen den Obersten Militärrat und seit einem Jahr gegen Mohammed Mursi und seine regierenden Muslimbrüder. Für den Westen repräsentiert der Friedensnobelpreisträger von 2005 die liberale Stimme Ägyptens. In seiner Heimat jedoch genießt der 71-Jährige weit weniger Popularität.

Monatelang zog er sich im Sommer nach dem Sturz von Mubarak in die Schweiz zurück, um seine Memoiren zu schreiben. Bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2012 machte er im letzten Moment einen Rückzieher – wohl ahnend, dass er ähnlich wie sein alter Polit-Konkurrent Amr Moussa nicht über zehn Prozent Zustimmung hinausgekommen wäre. Offiziell verbreitete er als Begründung, die Präsidentschaftswahlen würden mit Sicherheit nicht frei und fair verlaufen, eine Prognose, die sich als ungerechtfertigt erweisen sollte. Stattdessen gründete er seine eigene "Verfassungspartei", wenige Monate später waren die jungen Mitglieder bereits auf den Barrikaden, hielten ElBaradei Missmanagement, abgehobenes Benehmen und einsame Entscheidungen vor.

Letzten Sonntag scheiterte seine Ernennung zum Übergangspremier an dem Veto der Salafisten. Zwei Tage später machte Interimspräsident Adli Mansur ihn nun zu seinem Vize, zuständig für die Auslandsbeziehungen und damit internationaler Emissär der neuen Führung.