Der Chefunterhändler der Palästinenser, Saeb Erekat, versucht in Washington zusammen mit Israels Justizministerin Zipi Livni und US-Außenminister John Kerry die Chancen auf Frieden in Nahost auszuloten – und sein Präsident, Mahmud Abbas, fährt ihm erst mal in die Parade. Er hat zum Auftakt der Gespräche jedem weiteren Zugeständnis an die Israelis eine Absage erteilt: "Wir haben bereits alle nötigen Zusagen gemacht", sagte der Palästinenserpräsident und machte zugleich deutlich, dass in einem künftigen palästinensischen Staat kein Platz für israelische Siedler oder Militärangehörige ist. "In einer endgültigen Resolution wollen wir keinen einzigen Israeli – ob Zivilist oder Soldat – auf unserem Land sehen."

Abbas spielt damit auf einen der vielen Streitpunkte an, die in den nächsten Monaten in den ersten Verhandlungen seit drei Jahren gelöst werden sollen. So hatte Israel immer wieder deutlich gemacht, dass es auch nach Gründung eines Palästinenserstaats im Westjordanland Soldaten stationieren will. Dies lehnen die Palästinenser ab, wären aber damit einverstanden, wenn internationale Friedenstruppen diese Aufgabe übernehmen. Dies hat nun auch Abbas erneut bekräftigt – genau so wie die palästinensischen Ansprüche auf den Ostteil Jerusalems und den Widerstand gegen die israelischen Siedlungen im Westjordanland .

Damit hat er all jene Konfliktthemen umrissen, die nun auch in Washington auf den Verhandlungstisch kamen. Den Auftakt bildete ein traditionelles Fastenbrechen, zu dem Kerry neben Erekat und Livni sechs weitere Gesprächspartner willkommen hieß. Er sprach von einem "sehr sehr besonderen" Augenblick, ermahnte beide Seiten aber auch, einen "vernünftigen Kompromiss" zu finden. "Ich weiß, dass die Verhandlungen hart sein werden, doch ich weiß auch, dass die Folgen, es nicht zu versuchen, schlimmer sein könnten." Wenn beide Seiten kompromissbereit seien, "dann ist Frieden möglich", sagte Kerry.

Allerdings scheinen die Gespräche bereits in der Anfangsphase festgefahren , beide Seiten haben sich noch nicht auf einen Verhandlungsplan festgelegt: So will Israel über alle strittigen Punkte gleichzeitig verhandeln, während die Palästinenser zunächst eine Einigung in Sicherheits- und Grenzfragen wollen.

Obama reagiert verhalten

Wohl auch deshalb zeigte sich US-Präsident Barack Obama nur verhalten optimistisch. "Das ist ein vielversprechender Schritt voran, doch es stehen weiterhin harte Arbeit und harte Entscheidungen bevor", hieß es in einer Erklärung des Weißen Haus. Beide Seiten müssten zu "aufrichtigen Verhandlungen" bereit sein. Sein Land, so Obama, sei dann auch bereit, dabei zu helfen.  

Ziel aller Friedensverhandlungen soll ein unabhängiger Staat Palästina sein. Um die Gespräche darüber überhaupt erst zu ermöglichen, hatten beide Seiten Zugeständnisse gemacht. Zum einen hatten die Palästinenser darauf verzichtet, dass Israel die Grenzen von 1967 als Grundlage von Verhandlungen anerkennt und einen formellen Siedlungsstopp in Palästinensergebieten erklärt. Zum anderen hatte die Regierung in Jerusalem am Wochenende die schrittweise Freilassung von 104 palästinensischen Langzeithäftlingen versprochen .