Die Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben zu landesweiten Protesten aufgerufen. Ein Bündnis unter Führung der Mursi nahestehenden Muslimbruderschaft forderte die Ägypter zur massenhaften Teilnahme an einem "Freitag der Ablehnung" auf, um friedlich gegen die Entmachtung zu demonstrieren. Der Militärputsch dürfe nicht hingenommen werden, hieß es in einer von arabischen Medien verbreiteten Erklärung der Muslimbrüder und verbündeter Parteien. 

Der ägyptische Außenminister Mohamed Kamel Amr hat unterdessen seinem US-Amtskollegen John Kerry in einem Telefonat gesagt, dass das Militär sich nicht an die Macht geputscht habe. Die Definition der Geschehnisse am Mittwoch in Kairo ist wichtig, weil ein Militäraufstand zur Entmachtung eines frei gewählten Staatspräsidenten in der Regel Wirtschaftssanktionen nach sich zieht. Ägypten ist von US-Finanzhilfen abhängig. "Ich hoffe, dass die USA die Situation richtig interpretieren. Es war der Wille der überwältigenden Mehrheit des Volkes", sagte der Diplomat. Kerry habe ihm versichert, dass Ägypten ein strategischer Verbündeter sei, dessen Stabilität entscheidend sei.

Nach dem Sturz Mursis waren Streitkräfte – parallel zur Einsetzung der neuen Führungsriege um Interimspräsident Adli Mansur – massiv gegen die islamistische Muslimbruderschaft vorgegangen, aus der Mursi stammt. In Medien war von 300 Haftbefehlen die Rede. Neben Mursi nahm die Armee auch Mohammed Badia, den Anführer der Muslimbruderschaft in Gewahrsam . Laut Sicherheitskreisen hatte er versucht, nach Libyen zu fliehen. Sein Stellvertreter Chairat al-Schater wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Ihnen wird Anstiftung zur Gewalt gegen Demonstranten vorgeworfen, die am Sonntag die Zentrale der Bruderschaft zu stürmen versucht hatten.

Das Militär schloss außerdem vier Fernsehkanäle der Islamisten und sperrte die Zeitung der Muslimbrüder. Bürgerrechtler kritisierten dies: Das arabische Netzwerk für Menschenrechte teilte mit, der Verweis des Militärs auf mögliche Anstiftung zur Gewalt rechtfertige eine Schließung der Medien nicht. Auch die in London ansässige Menschenrechtsgruppe Amnesty International nannte die Schließung einen "Schlag für die Meinungsfreiheit".

Am Donnerstag berichtete kein ägyptischer Fernsehsender von der größten Demonstration von Mursi-Anhängern in Kairo, wo seit vergangenem Freitag Tausende sitzend verharren.

Die Armeeführung hatte Mursi am Mittwoch entmachtet und festgenommen . Zehntausende Demonstranten in Kairo feierten die Entmachtung in der Nacht. Das Militär begründete sein Einschreiten mit Mursis Unfähigkeit, auf die Massenproteste gegen seine autoritär-islamistische Politik angemessen zu reagieren und berief sich auf die Millionen Teilnehmer an den Protesten der vergangenen Tage.

Zehntausende Menschen hatten aber auch für Mursi demonstriert, den ersten zivilen und frei gewählten Präsidenten in der Geschichte des Landes. Ein hochrangiger Vertreter der Muslimbrüder schloss eine Kooperation mit der Übergangsführung aus und warnte vor Gewalt durch andere islamistische Gruppen. Man werde nicht mit unrechtmäßigen Machthabern zusammenarbeiten, sagte der Vertreter.

Interimspräsident will Aussöhnung mit Muslimbrüdern

Mursi selbst verurteilte seine Entmachtung in einer aufgezeichneten Videobotschaft als "Staatsstreich" und sagte, er sei weiterhin der rechtmäßig gewählte Präsident. Laut Justizkreisen soll er am Montag wegen "Beleidigung der Justiz" angehört werden.

Übergangspräsident Mansur bemühte sich, die Anhänger der Muslimbruderschaft zur Zusammenarbeit zu bewegen. "Die Muslimbrüder sind Teil dieses Volkes und eingeladen, an der Bildung der Nation mitzuwirken", sagte Mansur, der bislang Präsident des Verfassungsgerichts war. "Niemand wird ausgegrenzt." Die Mitarbeit der Islamisten sei willkommen. Auch die liberale Opposition rief dazu auf, die Islamisten an der politischen Willensbildung zu beteiligen.

Die Muslimbruderschaft war sowohl aus der Parlaments- als auch der Präsidentenwahl als stärkste Kraft hervorgegangen. Die Protestbewegung kritisierte Mursi wegen seines autoritären Führungsstils, einer fortschreitenden Islamisierung im Land und auch wegen einer dramatisch verschlechterten Wirtschaftslage.