Der bisherige Präsident des ägyptischen Verfassungsgerichts Adli Mansur ist zum Übergangspräsidenten des Landes ernannt worden. Er soll die Regierung solange führen, bis ein neuer Staatschef gewählt ist. In seiner ersten Ansprache versprach Mansur eine demokratische Parlamentswahl ohne Fälschung. Einen Termin nannte er jedoch nicht.

"Ich schwöre, das System der Republik zu erhalten, die Verfassung und das Gesetz zu achten und die Interessen des Volkes zu schützen", sagte Mansur. Der 67-Jährige lobte den Einsatz des Militärs. Es habe den Willen des Volkes respektiert. Der Geist der Protestbewegung solle an kommende Generationen weitergegeben werden, sagte er.

Nachdem er seinen Amtseid abgelegt hatte, rechnete Mansur mit der Präsidentschaft des vom Militär abgesetzten Mohammed Mursi ab. Auch ein demokratisch gewählter Präsident habe nicht das Recht, sich als Halbgott aufzuführen, sagte er.

Mursis Partei, die Muslimbrüder, seien aber ein Teil der Nation und eingeladen, an deren Gestaltung mitzuwirken, sagte Mansur. Die Zeitung Al-Ahram zitierte ihn weiter, wenn sie diese Einladung annähmen, würden sie nicht ausgeschlossen.

Die ägyptische Armee hatte Mursis Regierung am Mittwoch entmachtet und die Verfassung außer Kraft gesetzt.

Die Militärführung ließ Mursi und führende Mitglieder der ihn unterstützenden Muslimbrüder in Haft nehmen. Der staatlichen Nachrichtenagentur Mena zufolge sitzen sie im Gefängnis Tora am Rande von Kairo . Dort ist auch der vor mehr als zwei Jahren gestürzte frühere Machthaber Husni Mubarak inhaftiert.

Nach Angaben aus Justiz- und Armee-Kreisen hat die ägyptische Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen die Führungsspitze der Muslimbruderschaft ausgestellt. Zur Fahndung ausgeschrieben sind demnach der Vorsitzende der islamischen Bewegung, Mohammed Badie, und sein Vize Chairat al-Schater. Sie sollen die tödlichen Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern Mursis am Sonntag vor dem Hauptsitz der Muslimbrüder in Kairo provoziert haben.

Schater ist ein wohlhabender Geschäftsmann und der Chefstratege der Bruderschaft. Er war im vergangenen Jahr ihr Wunschkandidat für die Präsidentenwahl, konnte wegen seiner Vorstrafen jedoch nicht antreten. An seiner Stelle kandidierte Mursi, der die Wahl gewann.     

Interimspräsident Mansur war erst zwei Tage Vorsitzender des Verfassungsgerichts, als das Militär ihn ins Präsidentenamt berief. Am Verfassungsgericht war er seit 1992 tätig. Während dieser Zeit hatte er unter anderem die gesetzlichen Bedingungen für die erste freie Präsidentschaftswahl 2012 in Ägypten mit erarbeitet.

Schon unter Langzeitpräsident Hosni Mubarak war der Jurist für die ägyptischen Justizbehörden tätig. Zwischenzeitlich arbeitete er einige Jahre als Berater in Saudi-Arabien.