Der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur hat eine Verfassungsänderung eingeleitet. Das meldet die staatliche Nachrichtenwebsite Al-Ahram . Ein Komitee von Rechtsexperten soll demnach vom morgigen Sonntag an den Gesetzestext überarbeiten. Die neue Version muss vorliegen, bevor in Ägypten neu gewählt werden kann.

Die Verfassung hatte im vergangenen Jahr eine von Islamisten dominierte Versammlung entworfen. Kritiker hatten darin eine Beschneidung von Freiheit und Menschenrechten gesehen. Das Militär setzte die Verfassung schließlich am 3. Juli außer Kraft, nachdem es Expräsident Mohammed Mursi entmachtet hatte. An der Übergangsregierung sind die Muslimbrüder nicht beteiligt.

Die Übergangsregierung distanziert sich auch außenpolitisch von Expräsident Mursi. Außenminister Nabil Fahmy kündigte an, die Syrien-Politik neu zu ordnen. Nach dem Sturz Mursis werde "alles neu bewertet", sagte er und betonte, sein Land wolle auf eine politische Lösung des Konflikts hinarbeiten. Ägypten unterstütze zwar weiter den Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Man habe aber keine Absicht, einen Heiligen Krieg in Syrien zu führen. "Es gibt nicht die Absicht eines Dschihads", sagte Fahmy. Mursi hatte während seiner Präsidentschaft zum Heiligen Krieg in Syrien aufgerufen .

Die Fronten in der ägyptischen Bevölkerung bleiben indes verhärtet. Erneut versammelten sich Tausende Anhänger beider politischer Lager zu Massendemonstrationen. Es waren die größten Kundgebungen, seitdem das Übergangskabinett am Dienstag eingesetzt worden war.

Drei Frauen sterben bei Angriff auf Mursi-Anhänger

Die Muslimbrüder, die die Legitimität des Kabinetts nicht anerkennen, demonstrieren weiter gegen den Sturz des Expräsidenten. Trotz einer Warnung der Armee kamen Tausende von Mursis Anhängern zu einem Sitzstreik vor der Rabaa-al-Adawija-Moschee in Kairo . Von dort zogen sie zum Verteidigungsministerium und zum Sitz der Präsidentengarde, bevor Soldaten sie aufhielten. Auch in Alexandria, in al-Arisch auf der Halbinsel Sinai und in anderen Städten des Landes wurde für Mursi demonstriert.

Zu einer Demonstration von Mursi-Gegnern auf dem Kairoer Tahrir-Platz kamen etwa 2.000 Menschen. Sie zeigten Porträts von Ägyptens Armeechef Abdel Fattah al-Sissi , der den Machtwechsel eingeleitet hatte. In der Nähe des Präsidentschaftspalastes versammelten sich ebenfalls mehrere Hundert Anhänger der neuen Führung unter Präsident Mansur. Sie schwenkten ägyptische Fahnen und sangen patriotische Lieder.

Zuvor waren bei nächtlichen Straßenschlachten zwischen Muslimbrüdern und deren Gegnern nach Angaben von Ärzten drei Frauen getötet worden. Gewalttätige Gruppen hätten die Kundgebung im Zentrum der Stadt Mansura im Nildelta mit Messern, Schrotgewehren und anderen Schusswaffen überfallen, berichtet die Tageszeitung Al-Masry Al-Youm unter Berufung auf Augenzeugen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden 34 weitere Menschen verletzt. Seit Mursi am 3. Juli vom Militär gestürzt wurde, starben bereits mehr als hundert Menschen bei Ausschreitungen.