Frankreich fordert von der ägyptischen Übergangsführung, den gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi freizulassen. "Wir rufen dazu auf, auf Gewalt zu verzichten und die politischen Gefangenen einschließlich des früheren Präsidenten Mursi freizulassen", sagte Frankreich Außenminister Laurent Fabius .

Die Situation in Ägypten sei "sehr kritisch", ergänzte er. Das Land müsse zur Demokratie zurückkehren. Fabius äußerte sich zeitgleich mit einem Besuch der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Kairo . Sie hatte den islamistischen Politiker Mursi in seiner Haft an unbekanntem Ort treffen können.

Die beiden hätten am Montagabend zwei Stunden ausführlich miteinander gesprochen, twitterte Ashtons Sprecherin Maha Kocijancic . Wo Ashton und Mursi sich trafen und worüber sie sprachen, teilte sie nicht mit. Das Militär hatte den demokratisch gewählten Mursi abgesetzt und inhaftiert. Seit Freitag sitzt er offiziell in Untersuchungshaft .

Ashton hatte wiederholt die Freilassung Mursis gefordert. Bei ihrem letzten Besuch inKairo hatte sie bedauert, dass sie Mursi nicht habe treffen können. Die EU-Chefdiplomatin war auch schon mit Übergangspräsident Adli Mansur und Außenminister Nabil Fahmi zusammengekommen.

Mursi wurde seit seinem Sturz nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Selbst seine Familie durfte ihn nach eigenen Angaben nicht besuchen. Die Armeeführung äußerte mehrmals, Mursi gehe es gut.

Die Muslimbruderschaft – die Partei, die Mursi als Präsidentschaftskandidat nominierte – wirft dem Militär einen Putsch gegen das erste frei gewählte Staatsoberhaupt in der Geschichte Ägyptens vor. Für Dienstag haben die Mursi-Anhänger zu einem "Marsch der Million" aufgerufen. Die geplanten Massenproteste stellen sie unter das Motto "Die Märtyrer des Staatsstreichs". Mit der Demonstration wollen sie seine Wiedereinsetzung fordern.

Am Wochenende waren in dem nordafrikanischen Land bei Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und Sicherheitskräften mindestens 80 Menschen getötet worden. Es waren die heftigsten Auseinandersetzungen seit dem Sturz Mursis am 3. Juli. Die Gewalt  löste weltweite Besorgnis über die Entwicklung in Ägypten aus.

Vor ihrem Abflug in die ägyptische Hauptstadt hatte die EU-Außenbeauftragte einen "vollständig integrativen Übergangsprozess" angemahnt, "der alle politischen Gruppen inklusive der Muslimbruderschaft einbezieht". Der Prozess müsse "so schnell wie möglich" zu freien Wahlen führen.