Australien will keine Bootsflüchtlinge mehr aufnehmen. "Von nun an wird kein Asylsuchender, der per Boot in Australien ankommt, eine Chance haben, in Australien als Flüchtling zu bleiben", sagte Premierminister Kevin Rudd . Bootsflüchtlinge würden gemäß einem mit Papua-Neuguineas Ministerpräsident Peter O'Neill unterzeichneten Abkommen künftig in dessen Land geschickt. Sollte dem Asylantrag dort stattgegeben werden, könnten sie in Papua-Neuguinea bleiben. 

Das ab sofort geltende Abkommen soll zunächst zwölf Monate laufen und anschließend jährlich überprüft werden. Rudd will auf diese Weise Flüchtlinge aus Indonesien abschrecken, die nicht aus politischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen nach Australien kommen. Seit Beginn des Jahres kamen bereits 13.000 Flüchtlinge. Hunderte weitere starben bei der gefährlichen Überfahrt.

Australiens Außenminister Bob Carr hatte gesagt, dass die Zahl der Wirtschaftsflüchtlinge insbesondere aus dem Iran und Sri Lanka zugenommen habe. Indonesiens Regierung sagte kürzlich zu, die Visabestimmungen für Iraner zu verschärfen. Bisher brauchen sie kein Visum, um in das südostasiatische Land zu reisen.

Mit den Maßnahmen soll nach Angaben der Regierung auch der Menschenschmuggel zwischen Indonesien und der Australien vorgelagerten Weihnachtsinsel eingedämmt werden. "Die Hoffnungen, die sie ihren Kunden für die Zukunft machen, sind falsche Hoffnungen", sagte Rudd. Er habe auch mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon über die neue Regelung gesprochen.

Maßnahme auch gegen Menschenschmuggel

"Die Australier haben genug davon, Leute in den Gewässern nördlich von uns sterben zu sehen", sagte Rudd. "Unser Land hat genug von Menschenschmugglern, die Asylsuchende missbrauchen und sie auf hoher See ertrinken lassen." Im Gegenzug für die Hilfe bei der Aufnahme der Flüchtlinge will Australien das Bildungs-, Gesundheits- und Justizsystem Papua-Neuguineas unterstützen. So will die Regierung bei der Instandsetzung und dem Unterhalt eines großen Krankenhauses in Lae helfen. Eine Summe der versprochenen Hilfen wurde nicht bekanntgegeben.

Der konservative Oppositionsführer Tony Abbott begrüßte den Plan, äußerte aber Zweifel, dass Papua-Neuguinea mit dem großen Zustrom an Flüchtlingen zurechtkommen werde. Die linke Grünen-Partei kritisierte das Abkommen dagegen als "skrupellos und abstoßend" und verwies auf die Armut, Rechtslosigkeit und Gewalt in Papua-Neuguinea sowie auf den Wohnungsmangel und die Verbreitung von Malaria. Amnesty International teilte mit, Australien wende den "verletzlichsten Menschen der Welt" den Rücken zu, "verschließt die Tür und wirft den Schlüssel fort".