Großbritanniens Regierung wehrt sich gegen Kritik an einer staatlichen Kampagne, die die Zahl der illegalen Einwanderer im Land senken soll. Deren Botschaft an die Migranten lautet: Entweder ihr verlasst das Land oder ihr werdet festgenommen. Die Regierung freut sich über einen kosteneffizienten Coup.

Im Rahmen eines einwöchigen Pilotprojekts hatte das Innenministerium zwei mit Plakaten beklebte Kleinbusse in sechs Londoner Stadtviertel geschickt. Die Busse sind mit Handschellen bebildert und zeigen an, wie viele Festnahmen von illegalen Einwanderern es im betroffenen Stadtteil schon gegeben hat. Daneben steht auf Englisch: "Illegal im Vereinigten Königreich? Geh nach Hause oder rechne mit Festnahme."

Die angesprochenen Einwanderer sollen sich so ermuntert fühlen, eine SMS mit dem Wort " Home " an eine für diesen Zweck eingerichtete Nummer zu schicken. Dadurch soll ihre Ausreise ermöglicht werden. Wer sich nicht selbst anzeigt und gefasst wird, muss hingegen mit einem Verfahren rechnen.

Billiger als eine Abschiebung

Ein Sprecher der Regierung von Premier David Cameron rechtfertigte den Einsatz der Busse. Das Innenministerium habe "großes Interesse" an seiner Kampagne erfahren, die offensichtlich funktioniere, hieß es. Niemand könne bestreiten, dass dies die kosteneffizienteste Lösung sei, um illegal eingewanderte Migranten wieder heimzuschicken. Das Innenministerium teilte mit, die Kampagne koste mit 10.000 Pfund (rund 11.500 Euro) weniger als eine erzwungene Abschiebung.

Der liberaldemokratische Juniorpartner der Koalition äußerte sich allerdings ebenso entsetzt wie die Opposition. In Zeitungen und im Internet brach ein Proteststurm los. Auf Twitter kursiert der Hashtag #racistvan.

Sogar die rechtspopulistische UKIP lehnt die Kampagne ab. Ihr Vorsitzender Nigel Farage kritisierte, die Kampagne könne von ethnischen Minderheiten als "Zeichen offener Kriegsführung" empfunden werden. "Das ist ziemlich Big Brother, ziemlich staatslastig, ziemlich so wie im Ostdeutschland der 1980er Jahre, einfach scheußlich", sagte Farage dem Radiosender LBC.

Die Huffington Post berichtet, ein Zeitrahmen für die Evaluierung des Projekts bestehe noch nicht. Wirtschaftsminister Vince Cable wird in dem Bericht mit den Worten zitiert, die Kampagne sei "dumm und beleidigend". Zu einer möglichen Fortsetzung hat sich die Regierung offiziell jedoch noch nicht geäußert.