Türkische Sicherheitskräfte haben eine Hochzeitsfeier von Regierungsgegnern im Istanbuler Gezi-Park nahe dem Taksim-Platz gewaltsam aufgelöst. Hunderte Menschen waren einer Einladung im Internet gefolgt und hatten sich am Samstag in dem kleinen Park versammelt. Dort wollte sich ein Paar, das sich Berichten zufolge bei den Protesten gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan im Juni kennengelernt hatte, das Ja-Wort geben.

Die Polizei sperrte den Park jedoch ab und trieb Hochzeitsgäste und weitere Demonstranten in eine nahe gelegene Fußgängerstraße. Die Sicherheitskräfte setzten dabei Plastikgeschosse, Wasserwerfer und laut Schilderungen von Zeugen auch Tränengas ein. 

Das Hochzeitspaar hatte offenbar mit Widerstand gerechnet, die Braut trug einen Schutzhelm über ihrem weißen Schleier. Braut und Bräutigam wurden später für Fotos kurzzeitig in den Gezi-Park gelassen. Als die Menge jedoch begann, regierungskritische Parolen zu rufen, wurde sie wieder aus dem Park vertrieben.  

Polizeigewalt lässt Ansehen der türkischen Regierung sinken

Der Gezi-Park war nach wochenlangen Demonstrationen von Regierungsgegnern auf dem Taksim-Platz erst vor zehn Tagen wieder geöffnet worden. Demonstrationen sind dort aber weiterhin verboten.

Die Proteste in der Türkei sind etwas abgeklungen. Sie hatten als Widerstand gegen Regierungspläne zur Bebauung des Gezi-Parks begonnen. Später richteten sich die Proteste dann gegen den autoritären Führungsstil der Regierung und Polizeigewalt. Nach Schätzungen der Polizei hatten sich 2,5 Millionen Menschen in 80 türkischen Städten an den Demonstrationen beteiligt.Vier Demonstranten und ein Polizist wurden getötet, etwa 8.000 Menschen wurden verletzt.  

Das harte Vorgehen der Polizei bei den Protesten hat dem Ansehen der türkischen Regierung laut einer Umfrage geschadet. Erdoğans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) käme im Falle einer Parlamentswahl nur noch auf 44,1 Prozent, zitierte die Zeitung Hürriyet Daily News aus einer Umfrage des Meinungsinstituts Sonar. Im Februar 2012 seien es noch 53,2 Prozent und im vergangenen November 47,3 Prozent gewesen.