Nun dürfte in Havanna bekannt gewesen sein, dass die Chong Chon Gang ein verdächtiges Schiff ist, dessen Bewegungen von US-amerikanischen und internationalen Institutionen registriert werden. Laut Hugh Griffiths vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri wurde die Chong Chon Gang bereits 2010 von ukrainischen Behörden aufgebracht, seinerzeit fand man Munition und Drogen an Bord. Allein die Reaktion des Kapitäns zeigt, dass Nordkorea die Fracht geheim halten wollte.

Dass Havanna sich auf die Mission eingelassen hat, ist um so verwunderlicher angesichts der für Juli geplanten Gespräche zwischen Kuba und den USA über Migrationsthemen (in den USA lebt die größte Gruppe der Exilkubaner). Der Waffenfund gefährdet die vorsichtige Annäherung beider Staaten, die nach 50 Jahren Unterbrechung gerade erst wieder begonnen hat. Ileana Ros-Lehtinen, republikanische Kongressabgeordnete für Florida, forderte prompt, die Gespräche auszusetzen. 

Bezahlung in Naturalien

Nordkoreas Rüstungsbetriebe sind bekannt für ihr Know-how beim Aufbereiten von alter Militärtechnik aus der Sowjetunion, dem früheren Verbündeten. Die nordkoreanischen Techniker sind zudem in der Lage, das Kriegsgerät der UdSSR zu erhalten und zu überarbeiten. Die Waffenexperten von IHS Jane's vermuten daher bislang zweierlei: Entweder habe Kuba den Kontrollradar für Boden-Luft-Raketen nach Nordkorea geschickt, um ihn dort modernisieren zu lassen. Das entspräche in etwa der Begründung der Kubaner. Die Säcke mit dem Rohrzucker könnten dann eine Bezahlung in Naturalien gewesen sein. Oder aber Pjönjang habe mit dem Radar sein Boden-Luft-System verstärken wollen. Das nordkoreanische Luftverteidigungssystem zählt zu den dichtesten der Welt, ist aber laut IHS veraltet. Die Frage ist, welchen Sinn dann ein weiteres veraltetes Gerät macht.

Das Militärregime in Pjöngjang ist international geächtet. Zudem ist das Land arm und nahrungstechnisch sehr schlecht versorgt. Ein Reparaturjob im Tausch gegen braunen Zucker ist daher durchaus wahrscheinlich. Genaueres zu Motivation und Hintergründen des Waffentransportes auf der Chong Chon Gang  könnten die Behörden Panamas geben, wenn sie den kompletten Inhalt der Fracht ermittelt haben und bekannt geben. Vielleicht wird man dann wirklich feststellen, dass zwei internationale Außenseiter schlicht ein Geschäft mit alten Waffen und Lebensmitteln gemacht haben. Und so die UN-Resolution verletzt haben.