Der Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi befindet sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Haft. Mohammed Badia sei bereits am Mittwochabend in der Villa eines befreundeten Geschäftsmannes in dem Küstenort Marsa Matruh verhaftet worden, sagten Vertreter der ägyptischen Sicherheitskräfte . Badia sei in einem Militärhelikopter nach Kairo geflogen worden.

Badia und mehr als 200 Mitglieder der Muslimbruderschaft sowie anderer islamistischer Gruppen stehen nach dem Sturz Mursis auf einer Fahndungsliste. Auch Badias Vorgänger Mohammed Mehdi Akif und seine Stellvertreter Raschad al-Bajumi und Saad al-Katatni wurden festgenommen, berichteten arabische Medien. Sie werden ebenfalls im Tora-Gefängnis bei Kairo festgehalten, in dem auch der 2011 durch einen Volksaufstand gestürzte Herrscher Hosni Mubarak einsitzt.

Zuvor hatte der bisherige Präsident des ägyptischen Verfassungsgerichts und neuer Übergangspräsident Adli Mansur die Muslimbrüder zur Zusammenarbeit aufgerufen. "Die Muslimbrüder sind Teil dieses Volkes und eingeladen, an der Bildung der Nation mitzuwirken", sagte Mansur . "Niemand wird ausgegrenzt." Die Mitarbeit der Islamisten sei willkommen. Auch die liberale Opposition rief dazu auf, die Islamisten an der politischen Willensbildung zu beteiligen.

Muslimbrüder warnten vor Gewalt

Die Muslimbrüder und die einflussreiche Salafisten-Organisation Dawa Salafija riefen zur Gewaltlosigkeit auf. Die "Söhne der islamistischen Bewegung" sollten sich nicht in Lebensgefahr begeben, erklärte Dawa Salafija nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Mena. Die Muslimbrüder warnten aber davor, dass andere islamistische Gruppen zu den Waffen greifen könnten.

Nach den Massenprotesten der vergangenen Tage hatte das Militär am Mittwochabend den bisherigen Präsidenten Mohammed Mursi abgesetzt. Die Armee setzte den Obersten Richter Mansur als Übergangspräsidenten ein. Der versprach umgehend Neuwahlen.

Die 85 Jahre alte Muslimbruderschaft hat vor Jahrzehnten der Gewalt abgeschworen. Unter der Herrschaft von Präsident Hosni Mubarak wurden die Mitglieder der Organisation verfolgt.