Deutscher Wahlkampf hin, Euro-Hawk her – in der Weltpresse spiegelt sich davon wenig wider. In der Saure-Gurken-Zeit ergötzen sich die Kollegen vom Boulevard an der Anklage gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauß-Kahn wegen "erschwerter Zuhälterei" bei den soirées libertines in Lille, also den Orgien in Nordfrankreich. 

Einige würdigen auch die mit 88 Jahren verstorbene Victoria Johnson, die zusammen mit William Masters in den sechziger Jahren Sex aus dem Bett ins Labor holte. Unter ihren Forschungsergebnissen: Es gibt keinen Unterschied zwischen vaginalem und klitoralem Orgasmus; die Penis-Länge ist unerheblich.

Schlagzeilen macht auch die Meldung der Vereinten Nationen, dass die Weltbevölkerung entgegen früheren Annahmen bis zum Ende des Jahrhunderts nicht abnehmen, sondern ansteigen wird – von 7,2 Milliarden heute auf 9,6 Milliarden 2050 und sogar 10,9 Milliarden im Jahr 2100. Nigeria könnte dann das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde sein. Die Einwohnerzahl Europas wird um 14 Prozent zurückgehen.

 In den großen Zeitungen der Welt, New York Times, Le Monde, The Guardian, dagegen dominiert durchweg ein einziges Thema: die Turbulenzen, die vom Irak über Syrien, Ägypten, Libyen und Tunesien bis hin nach Mali die islamische Welt erschüttern.

In Syrien ist die Zahl der Todesopfer auf über 100.000 gestiegen. Ein Viertel der 21 Millionen Einwohner ist vertrieben; die Hälfte der Städte liegt in Trümmern. "Alle denkbaren Szenarios für den Ausgang des Konflikts sind bedrückend düster", so kennzeichnet der Economist die Lage.

Das ägyptische Militär hat staatsstreichartig den gewählten islamistischen Präsidenten Mursi abgesetzt und lässt nun dessen Anhänger niederschießen. "Die Intervention des Militärs ist ein Rückschlag für die Sache des Pluralismus", meint die New York Times. "Staatsstreiche, egal wie populär, sind ihrer Definition nach antidemokratisch."

Im unruhigen Libyen terrorisieren rivalisierende Milizen das Land, Attentate sind an der Tagesordnung. Am Ursprung des Arabischen Frühlings, in Tunesien, wurde der prominenteste Kritiker der islamistischen Regierungspartei Ennahda auf offener Straße ermordet. Das Land ist in vollem Aufruhr. "Die politischen Akteure spielen mit dem Feuer", schreibt Le Monde.

Pessimisten befürchten, dass der Arabische Frühling im islamistischen Winter endet. Wahlen allein haben bisher nirgendwo im Reich des roten Halbmonds Demokratie gebracht.

Ob dies in Mali anders wird, wo sieben Millionen Menschen in dem zerstrittenen Land am Sonntag gewählt haben? Schon verlangen die französischen Urheber der Militärintervention eine längere Verweildauer. Realismus oder Nostalgie der einstigen Kolonialherren? Mit ihren Pionier-Ausbildern ist auch die Bundeswehr dabei.

Auch von den bevorstehenden israelisch-palästinensischen Gesprächen unter amerikanischer Schirmherrschaft versprechen sich die Skeptiker nicht viel, zu groß ist die Kluft, die in den Kernfragen – Grenzen Israels, Zukunft Jerusalems, das Schicksal der Flüchtlinge – zwischen den Parteien klafft. 

Gleichwohl plädiert die New York Times für entschlossenes Verhandeln: "Es kann nichts Gutes entstehen, wenn Israel mit seiner wachsenden palästinensischen Bevölkerung sich aus einem Staat mit jüdischer Mehrheit in einen Staat mit arabischer Mehrheit entwickelt; wenn entrechtete Palästinenser im Westjordanland und im Gaza-Streifen inmitten einer zunehmend unruhigen Region staatenlos bleiben; und wenn der lang gehegte Traum von einem Palästinenserstaat dahinstirbt."