Nach dem Scheitern des Rüstungsprogramms Euro Hawk gibt es offenbar auch beim Nato-Drohnen-Projekt Global Hawk Probleme. Die Zulassungsunterlagen für die Global-Hawk-Drohne sind nach Ansicht der italienischen Luftwaffe unzureichend. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ( FAS ). Das Blatt beruft sich auf einen internen Sachstandsbericht der Bundeswehr vom 2. Juni. Die Verhandlungen mit dem US-amerikanischen Hersteller Northrop Grumman werden demzufolge als "schwierig" bezeichnet. 

Die zuständige Zulassungsbehörde der italienischen Luftwaffe habe Anfang des Jahres sämtliche ihr überlassenen Dokumente dem Unternehmen zur Überarbeitung zurückgeschickt. Italien habe sich beim Treffen der Anteilseigner im März "über die Qualität der Dokumentation und die Transparenz der zur Verfügung gestellten Information beschwert", zitiert die Zeitung aus dem Bericht.

Die Nato will bis 2018 insgesamt fünf Global Hawk kaufen und in Italien stationieren. Deutschland ist an der rund 1,3 Milliarden Euro teuren Anschaffung mit etwa 480 Millionen Euro beteiligt.

Der Global Hawk ist die US-Drohne, aus der auch der Euro Hawk entwickelt wurde. Das Bundesverteidigungsministerium hatte die Beschaffung des Euro Hawk im Mai aufgrund von Zulassungsproblemen gestoppt. Eine von Verteidigungsminister Thomas de Maizière eingesetzte Arbeitsgruppe hatte jedoch mitgeteilt, die Probleme seien "nicht auf die Zulassungssituation der Luftfahrzeuge Nato AGS Core übertragbar". Die Global-Hawk-Drohnen sind Teil dieses Bodenüberwachungsprogramms.

Ein Untersuchungsausschuss im Bundestag soll ab Montag klären, seit wann de Maizière von den Unzulänglichkeiten beim Euro Hawk gewusst hat. Die Vorsitzende des Gremiums, Susanne Kastner ( SPD ), forderte de Maizière auf, Widersprüche zu beseitigen. Sie selbst habe Schwierigkeiten, dem Minister noch zu glauben. 

Der Untersuchungsausschuss soll klären, wie das Milliardenprojekt in einem solchen Debakel enden konnte – und warum das Verteidigungsministerium nicht früher die Reißleine gezogen hat. De Maizière soll am 31. Juli aussagen. Anfang September will sich der Bundestag in einer Sondersitzung mit dem Thema befassen.