US-Präsident Barack Obama  hat sich in die Staatskrise in Ägypten eingeschaltet. "Es geht darum, dass die Stimmen aller Ägypter gehört und von der Regierung repräsentiert werden", sagte Obama. Zuvor hatte er nach Angaben des Weißen Haus mit Ägyptens Präsident Mohammed Mursi telefoniert und ihn dazu aufgerufen, auf die Opposition zuzugehen.

Obama wies auch darauf hin, dass die gegenwärtige Krise nur in einem politischen Prozess gelöst werden könne, hieß es weiter. Er fügte hinzu: "Die USA unterstützen keine Partei oder politische Richtung in Ägypten, sondern die Demokratie. Demokratie aber bedeutet mehr als Wahlen."

Seit knapp einer Woche demonstrieren Millionen Menschen gegen Mursi und fordern den Rücktritt des Islamisten, der seit genau einem Jahr im Amt ist. Sie werfen ihm autokratisches Gebaren und eine Islamisierung des größten arabischen Staates vor. Außerdem machen sie Mursi für die extrem schlechte Wirtschaftslage und die dramatischen Versorgungsengpässe verantwortlich.

Außenminister reicht Rücktritt ein   

Am Montag dann forderte die Armee ultimativ eine Lösung des Machtkampfes binnen 48 Stunden. Andernfalls werde sie der Politik den Weg weisen, hieß es darin. Anschließend kündigte Mursi an, die Erklärung der Streitkräfte zu prüfen. Einige Passagen darin könnten aber "Unruhen in der komplizierten nationalen Lage verursachen".

Unruhe gibt es auch in seiner Regierung: In der Nacht reichte mit Außenminister Mohamed Kamel Amr laut der staatlichen Nachrichtenagentur Mena das bislang ranghöchste Kabinettsmitglied seinen Rücktritt ein und verstärkte damit den Druck auf den Präsidenten. Weitere Details waren zunächst nicht bekannt. Bereits zuvor waren fünf Minister offenbar aus Sympathie für die Opposition gegen Mursi zurückgetreten.

Unterstützung erhält der Präsident von seinen Anhängern, die landesweit zu neuen Demonstrationen aufgerufen haben. Ein Gremium aus einflussreichen islamistischen Politikern und Geistlichen rief die Ägypter in allen Provinzen auf, die Führung im Land zu verteidigen. "Jeder Putsch gegen die legitime Regierung und Verfassung wird das Land in Chaos und eine ungewisse Zukunft stürzen", hieß es in einer Erklärung der Islamisten.

Die ägyptische Justiz hingegen schlägt sich auf die Seite der Opposition. Sie setzte den im November von Mursi geschassten Generalstaatsanwalt Abdel Meguid Mahmud wieder ins Amt. Mursi hatte Mahmud entlassen und zugleich seine eigenen Entscheidungen mit einem Verfassungszusatz für rechtlich unanfechtbar erklärt, was er später nach Protesten wieder zurücknahm.