Barack Obama weiß, wie sich afroamerikanische Männer in den USA fühlen. Er ist zwar sehr viel gebildeter und wohlhabender als die meisten anderen, doch hat auch der Präsident erleben müssen, wegen seiner Hautfarbe diskriminiert zu werden. "Es gibt wenige afroamerikanische Männer in diesem Land, die nicht die Erfahrung gemacht haben, dass man sie beim Shopping im Kaufhaus beobachtet. Mich eingeschlossen", sagte Obama in einer spontanen und überraschenden Ansprache am Freitag. Auch er habe das Klicken von Autoschlössern gehört, wenn er über die Straße ging: "Zumindest bis ich Senator wurde."

Nach der Zuspitzung der Rassismus-Debatte fühlte sich der US-Präsident veranlasst, den umstrittenen Freispruch im Prozess um den erschossenen Jugendlichen Trayvon Martin zu kommentieren. Wohl hatte er wiederholt dazu aufgerufen, das Urteil des Gerichts zu akzeptieren. Dennoch findet Obama, dass es Zeit ist, zu handeln: Er stellte einen Fünf-Punkte-Plan in Aussicht. 

Diskriminierung von Minderheiten, besonders von Afroamerikanern, ist in den USA allgegenwärtig. Sie passiert jeden Tag an vielen Orten und in den verschiedensten Kontexten. Mal mehr, mal weniger direkt: Wenige Wochen vor dem Trayvon-Martin-Prozess musste der Hersteller der Frühstücksflocken Cheerios bei seinem Werbespot auf YouTube die Kommentarfunktion abstellen, nachdem es rassistische Bemerkungen zu der dort gezeigten Familie mit einer weißen Mutter und einem schwarzen Vater gehagelt hatte. 

Kurz darauf wurde die Fernsehköchin Paula Deen gefeuert, weil sie öffentlich zugegeben hatte, manchmal das "N-Wort" zu benutzen. Die aktuelle Staffel der Realityshow Big Brother macht mit dem offenen Rassismus einiger Bewohner Schlagzeilen.

In wenigen Wochen ist der 50. Jahrestag von Martin Luther Kings berühmter Rede I have a Dream. Noch immer klafft in der amerikanischen Gesellschaft eine große Lücke der Ungleichheit. Knapp 90 Prozent der Schwarzen sehen eine Diskriminierung von Afroamerikanern, 46 Prozent von ihnen sogar "eine Menge" davon. Das ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center. Hingegen beobachten nur 57 Prozent der befragten Weißen eine Ungleichbehandlung.

Schlechte Schulen, kaum gute Arbeitsplätze

Die Benachteiligung ist strukturell veranlagt. Viele Randgruppen leben in Wohngegenden, in denen die Schulen schlechter und gute Arbeitsplätze rar sind. Die gesundheitliche Versorgung und allgemein die öffentliche Betreuung ist dort dürftig. Die Diskriminierung ist aber auch in den Köpfen vieler Amerikaner verankert. Das macht den Angehörigen der Minderheiten den Alltag schwer, das Arbeiten und das Leben.

Die US-Gleichstellungsbehörde klagte vor wenigen Wochen gegen ein BMW-Werk im Bundesstaat South Carolina und die Billig-Einzelhändlerkette Dollar General, weil die Unternehmen bei Bewerbungen auffällig viele Afroamerikaner ausgesiebt hätten – durch umfangreiche Prüfung des Vorstrafenregisters. Ebenso zeigt der jüngste Bericht der US-Bauministeriums, dass die Ungleichbehandlung von afro- und lateinamerikanischen Mietern und Hauskäufern fortbesteht: Den Angehörigen der Minderheitengruppen würden auffällig weniger Immobilien gezeigt. Weiße Bewerber würden bei der Suche nach einem neuen Heim bevorzugt.