Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind ohnehin schon belastet. Nun verschlechtern sie sich weiter wegen des flüchtigen US-Geheimdienstexperten Edward Snowden . Wie die Moskauer Zeitung Kommersant unter Berufung auf Quellen im US-Außenministerium berichtet, droht Präsident Barack Obama wegen der Causa Snowden mit der Absage des lange geplanten Treffens mit seinem Amtskollegen Wladimir Putin in Moskau Anfang September.

Sollte das Treffen platzen, wäre ein weiterer Termin in Gefahr: der anschließende G-20-Gipfel in St. Petersburg. Sollte sich der von den USA gejagte Snowden dann immer noch vermutlich im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhalten, so würde Obama auch nicht nach St. Petersburg reisen. Statt seiner würde nur Vizepräsident Joe Biden kommen.

Der Kreml widersprach: Die Vorbereitungen auf den Obama-Besuch liefen weiter auf Hochtouren, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Itar-Tass.

"Keine Verantwortung"

Russland wies unterdessen erneut jede Verantwortung im Fall Snowden zurück. "Er ist auf seine eigene Initiative hin nach Moskau geflogen", sagte Alexej Puschkow, der Chef des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma. Zwar gebe es weiter keine Gründe, Snowden an die USA auszuliefern. "Aber natürlich wäre es besser, wenn die Situation bis zu Obamas Besuch in Moskau gelöst wäre."

Inzwischen kann sich der IT-Spezialist Snowden Hoffnungen auf Asyl in Lateinamerika machen. Nach Venezuela und Nicaragua bot am Samstag auch Bolivien dem früheren Geheimdienstmitarbeiter Schutz vor den US-Behörden an. 

Wie will Snowden weiterreisen?

Es ist allerdings unklar, wie der 30-Jährige ohne Papiere weiterreisen kann. "Er hat keinen Pass, und Asyl kann nur einer spezifischen Person gewährt werden", sagte der russische Abgeordnete Alexander Romanowitsch dem Sender Echo Moskau . Zudem gibt es keine Direktverbindungen von Moskau nach Caracas beziehungsweise nach Managua, was den Flüchtigen zu Zwischenstopps zwingen würde. Es könnte auch sein, dass einige Länder ihm Überflugsrechte verwehren.

Snowden hatte in mehr als 20 Ländern, darunter vergebens in Deutschland , Asyl beantragt. Er wird von den USA wegen Spionage per Haftbefehl gesucht. Er hatte von Hongkong aus Dokumente über geheime Überwachungsprogramme des Geheimdienstes NSA an Medien weitergegeben und ein umfangreiches britisches Spähprogramm enthüllt. Hongkong ließ Snowden nach Moskau weiterreisen, wo er seit zwei Wochen festsitzt.