Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden verfolgt mit seinen Enthüllungen zur NSA-Spionage nach eigener Aussage das Ziel, gegen die Auswüchse der Überwachung vorzugehen. "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird", sagte er in dem bereits am 6. Juni in Hongkong aufgezeichneten Video-Interview mit dem britischen Guardian . Jeder, der mit einer solchen Welt nicht einverstanden sei, habe die Pflicht, etwas zu tun.

Die Zeitung veröffentlichte am Montag eine rund siebenminütige Passage des Gesprächs auf ihrer Internetseite. Der Ausschnitt enthält keine weiteren Enthüllungen zur Spionage durch US-Geheimdienste. Snowden beschreibt aber seine Motivation. Ein erster Teil des Interviews war am 9. Juni veröffentlicht worden.

Snowden sagte in der jetzt veröffentlichten Passage, als er vor rund zehn Jahren zum US-Militär stieß und beim Geheimdienst landete, habe er noch an "unsere noblen Absichten" geglaubt. "Ich habe gewartet und beobachtet, und versucht, meinen Job zu tun." Mit der Zeit sei ihm aber immer klarer geworden, dass niemand etwas unternehme, um die Auswüchse der Kontrolle durch die Regierung zu stoppen.

Snowden sagte, er gehe davon aus, dass die US-Regierung ihm vorwerfen werde, den Feinden des Landes geholfen zu haben. Diese Vermutung ist inzwischen eingetroffen. Die USA werfen dem IT-Spezialisten Landesverrat vor und fordern seine Auslieferung.

Der inzwischen 30-Jährige hält sich vermutlich noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Er hatte in den vergangenen Wochen Spionageprogramme der britischen und amerikanischen Geheimdienste enthüllt. Die sozialistischen Präsidenten von Venezuela, Nicaragua und Bolivien haben Snowden Asyl angeboten.

USA wollen Snowden weiterhin fassen

Die USA ist weiterhin mit allen Ländern in Kontakt, in die Snowden flüchten könnte oder die er auf einer Flucht überfliegen könnte, sagte Regierungssprecher Jay Carney. Erneut forderte er Russland auf, Snowden auszuliefern.

Zu dem russischen Zeitungsbericht, wonach Präsident Barack Obama auf eine Teilnahme am G20-Gipfel Anfang September verzichten würde, falls Snowden sich dann noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens aufhalte, nahm Carney nicht Stellung.

Der Kreml hatte der Meldung der Moskauer Zeitung Kommersant zuvor widersprochen. Die Vorbereitungen für den Obama-Besuch liefen auf Hochtouren, sagte Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow.