Am Tag nach der Randale steht Trappes unter Schock. Die kleine Stadt 30 Kilometer westlich von Paris macht Schlagzeilen in den französischen Medien. Die Folgen der nächtlichen Schlacht zwischen 400 Demonstranten und Dutzenden Polizisten sind unübersehbar: demolierte Bushaltestellen, mit Pflastersteinen und Feuerwerkskörpern übersäte Straßen, ausgekippte Mülltonnen, die zu brennenden Barrikaden gemacht wurden.

Das Tränengas ist abgezogen, die Feuerwehr hat die letzten Brände gelöscht. Der Helikopter kreist nicht mehr über dem bisher so unauffälligen Ort in der Nähe von Versailles. Vier Polizisten und ein Jugendlicher sind ernsthaft verletzt, sechs Personen in Gewahrsam. Die Wut der Menge entzündete sich an dem Fall einer jungen Frau, die am Tag zuvor wegen ihrer Vollverschleierung von Polizisten angehalten und auf die Wache gebracht worden war.  

Innenminister Manuel Valls nennt den Gewaltausbruch "inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen". Der Sozialist glaubt, dass die öffentliche Ordnung nun wieder hergestellt sei. Doch nichts ist in Ordnung.

Islamische Verbände beschuldigen die Polizei der Islamophobie – und die französische Gesellschaft gleich dazu. In Trappes ist erneut eine explosive Mischung hochgegangen. Die Republik, die sich als laizistisch versteht, wollte auch hier das 2011 eingeführte gesetzliche Verbot der Vollverschleierung durchsetzen. Offenbar tat sie dies ziemlich robust: Die empörte Belagerung der örtlichen Polizeistation war die Folge. Umstritten ist allerdings, ob die Polizisten bei ihrem Zugriff drei Muslime respektlos behandelten und Gewalt anwendeten.

Die junge Frau, die am Donnerstagabend bei einer Straßenkontrolle wegen des Tragens eines Nikab genannten Schleiers mit einer Ordnungsstrafe belegt wurde, beklagt genau dies in einem Bericht über den Vorfall, den die islamische Organisation CCIF (Collectif contre l'islamophobie en France) veröffentlichte. "Sie haben uns angeschrien, als ob wir Hunde wären", schreibt Hajar, die eine solche Kontrolle wegen ihres Schleiers nicht zum ersten Mal erlebte. Diesmal aber lief die Situation aus dem Ruder: Die Polizisten hätten sie und ihre Mutter sehr aggressiv angesprochen, herablassend geduzt, sogar angefasst und bedroht.