Der weltweite Jubel über William, Kate und Baby George ist verklungen, und gerade deshalb sind nun einige weiterführende Gedanken über die Rolle der Windsors in der Weltgeschichte und im westlichen Kapitalismus angebracht.

Seitdem Rolls-Royce und Mini in die Hände von BMW gefallen sind und Bentley in die von VW, bleibt nur noch ein großes Traditionsunternehmen unter dem Union Jack, der Flagge des Vereinigten Königreiches: das Haus Windsor, ehemals Saxe-Coburg and Gotha.


Unternehmen? Der Begriff passt perfekt. Auf der Insel firmiert die Monarchie längst als The Firm. Schon George VI., jedenfalls in dem Film The King’s Speech, deklamierte: "Wir sind keine Familie, sondern eine Firma." Und die Briten entdecken in dieser Woche die Arbeitsbedingungen der Sommeraushilfen im Buckingham Palace, so nachzulesen im Guardian.

Das Vermögen der Windsors, hauptsächlich Paläste und Ländereien, umfasst etwa drei Milliarden Pfund, heißt es. Vom Marktwert des royalen Brandings ganz zu schweigen. An der Börse wären gewiss zehn Milliarden drin.

Der CEO ist Elisabeth II. und ihre Nachfolger im Vorstandsvorsitz stehen schon fest: Erst kommt Charles, dann William, dann George Alexander Louis.

Dieses Businessmodell steht noch nicht im Lehrplan der Harvard Business School. Denn: Mutter Elisabeth, 87, führt den Laden schon seit 60 Jahren. Der normale CEO (US-Daten) schafft im Durchschnitt 8,4 Jahre und ist 55 Jahre alt. Von Peter Löscher bei Siemens schweigen wir hier. 

Das Ende der elisabethanischen Herrschaft wird irgendwann mit dem Tod der Queen zusammenfallen, doch die Windsor-Mädchen – siehe Mutter Mary – sind genetisch auf mindestens 100 Jahre programmiert.

Dann wird Kronprinz Charles so um die 80 sein. Geben wir ihm auch 100, wird sein Erstgeborener William bei der Salbung 66 Jahre alt sein. Ein Nesthäkchen. Erst irgendwann gegen Ende dieses Jahrhundert ist George Alexander dran.

Was wie Gerontokratie aussieht, ist in Wahrheit Weitsicht. Gerade progressiv-republikanische Kräfte bemäkeln das kurzfristige Profitdenken, das Hecheln von einer Quartalsbilanz zur nächsten. Die britischen Royals hingegen denken seit Jahrhunderten nachhaltig.

Dabei haben sie ein größeres Imperium zusammengerafft als Apple oder Toyota. Sie haben meistens gut gewirtschaftet, mit kluger Finanzpolitik ihre Kriege gegen die ewigen Rivalen Spanien und Frankreich gewonnen. 

Es ist durchaus kein Zufall, dass Albion seine größte Machtfülle unter Victoria erlebte, die 64 Jahre lang das Zepter führte. Alter und Größe sind ein Paar.

Auf der Höhe der Zeit sind die Windsors aber trotzdem. Charles' Firma Duchy Originals zum Beispiel vermarktet Bio-Fleisch und Bio-Kekse. Er kritisiert ständig in milden Worten den Kapitalismus. Auf jeden Fall wollen zwei Drittel der Engländer ihre Monarchie behalten. So happy sind die Aktionäre von Siemens derzeit nicht.    

In seiner jüngsten Ausgabe fordert der Economist dennoch Reformen – vorsichtige, wie es die Tradition gebietet. Elisabeth möge doch mit 90 aussteigen, Charles mit 80 und William mit 70, damit George 2052 den Thron kriegt. Dann wäre er freilich noch ein Küken, nicht mal 40. Als einzige Begründung für den Jugendwahn liefert das Blatt "moderne Management-Theorie".

Die hat uns auch die schlimmste Finanzkrise seit 1929 verschafft. Ältere Herrschaften sind einfach risikobewusster. Außerdem führt die zweite Elisabeth – seit über zwanzig Jahren wäre sie als Normalbürger Rentnerin – eine piekfeine Firma. Deren Bilanzen überragen turmhoch jene Großunternehmen mit ihren dynamischen jungen Chefs, die nach dem Crash pleitegegangen sind.

Die Gründe für den Erfolg wurden hier dargelegt. Etwas langatmiger sind sie demnächst sicher nachzulesen in einer Harvard-Fallstudie, die eine ganz neue Management-Mode auslösen wird. Der Titel: Nachhaltigkeit im Hermelin: Die erstaunliche Profitabilität altersmaximierter Geschäftsführung unter besonderer Berücksichtigung des lebenslangen Kündigungsschutzes am Beispiel Windsor.

Long Live the Queen!