Die ägyptische Übergangsregierung hat die internationalen Vermittlungsversuche kritisiert. Der "ausländische Druck" habe internationale Standards überschritten, sagte der Sprecher von Interimspräsident Adli Mansur , Ahmed al-Mussalamani. Beobachter werteten die Reaktion als Zeichen wachsender Ungehaltenheit über eine Reihe von Besuchen ausländischer Spitzenpolitiker in Ägypten .

Nach US-Vizeaußenminister William Burns und dem EU-Sonderbeauftragten für den südlichen Mittelmeerraum, Bernardino León, führten auch die US-Senatoren John McCain und Lindsey Graham Gespräche mit politischen Anführern in Kairo . Sie waren im Auftrag von Präsident Barack Obama nach Ägypten gereist. Die Politiker bemühten sich im Land um eine Entschärfung der Lage , die nach der Entmachtung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär eskaliert war. Beide Politiker machten deutlich, dass sie nicht bereit seien, die Absetzung Mursis hinzunehmen. In den vergangenen Tagen hatten sich bereits die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton , arabische Diplomaten sowie Gesandte der Afrikanischen Union um eine Vermittlung bemüht.

Die Vermittlungsversuche der US-Senatoren und anderer Politiker aus der EU stehen jedoch vor dem Aus. Die Führung des Landes werde voraussichtlich das Scheitern ausländischer Bemühungen erklären, meldete die staatliche Zeitung Al-Ahram am Dienstagabend. Außerdem wolle das Präsidialamt die Proteste der Mursi-Anhänger als nicht gewaltfrei einstufen. Das berichtete Al-Ahram und berief sich auf offizielle Kreise.

Die US-Senatoren Graham und McCain hatten die Übergangsregierung zuvor aufgefordert, die nach Mursis Sturz am 3. Juli verhafteten Mitglieder der Muslimbruderschaft freizulassen. "In einer Demokratie setzt man sich hin und spricht miteinander", sagte Graham. "Es ist unmöglich, mit jemandem zu sprechen, der im Gefängnis sitzt."

Der US-Vizeaußenminister Burns hatte zuvor bereits mit mehreren Vermittlern den stellvertretenden Vorsitzenden der Muslimbruderschaft, Chairat al-Schater, im Gefängnis besucht. Wie Al-Schater sitzen mehrere Spitzenfunktionäre der Muslimbruderschaft unter verschiedenen Anklagen in Untersuchungshaft. Mohammed Mursi befindet sich an einem unbekannten Ort in Militärhaft . Die USA , die kürzlich die Entmachtung Mursis gerechtfertigt hatten, drängen auf einen "politischen Prozess", der alle Parteien mit einbezieht.

Angst vor neuer Gewalt

In Ägypten wird neue Gewalt befürchtet, sollten die Sicherheitskräfte die Protestcamps der Mursi-Anhänger in Kairo räumen. Diese harren dort seit einem Monat mit Frauen und Kindern aus und fordern Mursis Wiedereinsetzung ins Amt. Seit dem Sturz Mursis wurden bereits mehr als 250 Menschen bei Zusammenstößen zwischen den feindlichen Lagern sowie mit Sicherheitskräften getötet.