US-Außenminister John Kerry hat den Sturz der demokratisch gewählten Regierung Ägyptens durch die Armee gutgeheißen. Dies sei im Sinne des Volkes gewesen, sagte er. "Das Militär wurde von Millionen und Abermillionen Menschen zum Einschreiten gebeten, die allesamt Angst davor hatten, in Chaos und Gewalt abzugleiten", begründete er seine Sicht in einem Fernsehinterview. Das Militär habe nicht dauerhaft die Macht, vielmehr werde Ägypten inzwischen von einer zivilen Übergangsregierung geführt. "Letztlich wurde dadurch die Demokratie wiederhergestellt", sagte Kerry.

Auf den Einwand eines Fernsehjournalisten, dass das ägyptische Militär nach der Entmachtung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi demonstrierende Anhänger der Muslimbruderschaft erschoss, entgegnete Kerry: "Das hat mit der Wiederherstellung von Demokratie nichts zu tun, und wir sind sehr, sehr besorgt." Er stehe in Kontakt mit allen beteiligten Kräften in Ägypten und habe "klar gemacht, dass so etwas absolut nicht hinnehmbar ist und nicht passieren darf".

Die Muslimbrüder zeigten sich entsetzt über die Aussagen Kerrys: "Wir glauben, dass die US-Regierung mitschuldig an dem Militärputsch ist", sagte der Sprecher der Islamistenbewegung, Gehad al-Haddad. Er forderte die US-Bevölkerung auf, sich gegen eine Regierung zu erheben, "die ihre Werte verrät, indem sie Tyrannei und Diktatur unterstützt". In den vergangenen Monaten hatten linke und liberale Parteien in Ägypten der US-Regierung vorgeworfen, sie unterstütze die Herrschaft der Islamisten in Kairo .

Westerwelle beendet Vermittlungsgespräche

Die US-Regierung vermeidet es weiterhin, von einem Putsch in Ägypten zu sprechen. Ansonsten müsste sie als logische Konsequenz die Militärhilfe für das Land stoppen.

In dem Land droht seit dem Sturz Mursis vor einem Monat Bürgerkrieg. Bei Protesten starben bislang etwa 250 Menschen, anhaltende Spannungen zwischen Mursi-Gegnern, dessen Anhängern und Einsatzkräften lassen weitere Opfer befürchten.

Weltweit mühen sich Regierungen intensiv um eine Beruhigung der Lage, Außenminister Guido Westerwelle (FDP) beendet am heutigen Freitag seine Vermittlungsgespräche in Kairo.