In Ägypten sind Christen und Muslime erneut aneinandergeraten. In der Provinz Al-Minia kam es nach einer Demonstration der Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi zu mehreren gewaltsamen Auseinandersetzungen. Nach Angaben des christlichen Nachrichtenportals Watani.net bewarfen Demonstranten in dem Dorf Raida am Samstagabend eine Kirche und mehrere Häuser mit Steinen. 

In dem Dorf Bani Ahmed al-Scharkija kam es zu einer Straßenschlacht, bei der beide Seiten mit Steine und Brandbomben warfen. Auslöser war ein persönlicher Streit zwischen einem Muslimen und einem koptischen Christen in einem Teehaus. Die Polizei sprühte Tränengas. Drei Zivilisten und ein Polizeioffizier wurden verletzt. Seit Mursis Sturz am 3. Juli wurden bereits mehr als 250 Menschen bei Zusammenstößen zwischen den feindlichen Lagern sowie mit Sicherheitskräften getötet. Tausende weitere wurden verletzt. 

Auch die Politiker beharrten weiter auf ihrem Kurs. Die ägyptische Übergangsregierung forderte die Mursi-Anhänger am Samstag erneut auf, das Protestlager in Kairo zu räumen, und stellte den Demonstranten ein Ultimatum. In einer im Fernsehen verlesenen Erklärung des Innenministeriums hieß es, wer nicht an gewaltsamen Aktionen beteiligt gewesen sei und nicht zum Terrorismus aufgerufen habe, müsse keine Strafverfolgung fürchten. Allerdings werden die Organisatoren der Proteste verdächtigt, mehrere Verbrechen begangen zu haben, darunter Mord und illegaler Waffenbesitz. Sie würden juristisch zur Verantwortung gezogen werden.

Auf den öffentlichen Plätzen Rabia al-Adawija und al-Nahda harren die Demonstranten seit einem Monat mit ihren Familien aus. Sie fordern, Mursi wieder im Amt einzusetzen. Für Sonntag hat die Muslimbruderschaft, aus deren Reihen Mursi kommt, zu einer "Demonstration der Millionen" aufgerufen. Mitte der Woche hatte die ägyptische Übergangsregierung dem Innenministerium die Erlaubnis gegeben, die beiden Protestcamps in Kairo mit Polizeigewalt zu räumen. Sollte Ägyptens Militär die Camps räumen, könnte es zu erneuter Gewalt kommen. 

"Die EU und die USA haben die Ägypter fallen gelassen "

Der Armeechef Abdel Fattah al-Sissi wiederholte seine Absicht, die Protestcamps aufzulösen. Al-Sissi ist in der Übergangsregierung als stellvertretender Ministerpräsident und Verteidigungsminister im Amt. "30 Millionen Menschen" hätten ihn bei Anti-Mursi-Kundgebungen am 26. Juli unterstützt, sagte al-Sissi. "Diese Menschen erwarten von mir, das ich etwas tue."

Der stellvertretende US-Außenminister William Burns versucht im Konflikt zu vermitteln. Am Samstag traf er sich mit Vertretern der Muslimbruderschaft und Außenminister Nabil Fahmi, am Sonntag will er mit al-Sissi zusammenkommen, wie der Nachrichtensender Al Jazeera meldete. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton waren bereits in Kairo, in der kommenden Woche werden die US-Senatoren Lindsey Graham und John McCain in die ägyptische Hauptstadt kommen. 

Al-Sissi forderte die US-Regierung auf, sich bei den Muslimbrüdern für ein Ende ihrer Proteste einzusetzen. "Die US-Regierung hat großen Einfluss auf die Muslimbrüder sowie viele Möglichkeiten, Druck auszuüben", sagte al-Sissi der Washington Post . Zugleich warf er den USA und der EU vor, die Ägypter "fallen gelassen zu haben". "Sie haben ihnen den Rücken gekehrt", sagte al-Sissi.