Die Unterstützer des entmachteten Präsidenten Mursi fordern die ägyptische Führung heraus. Ungeachtet der Drohung, ihre Protestcamps aufzulösen, haben die Muslimbrüder ihre Demonstrationen in Kairo fortgesetzt. Tausende Sympathisanten weigerten sich, ihre Sitzstreiks wie verlangt aufzulösen.

Nach mehreren Warnungen hatte die Übergangsregierung zuvor angeordnet, zwei Protestcamps zu räumen. Die Dauerproteste der Islamisten vor einer Moschee im Stadtteil Nasr City sowie vor der Kairoer Universität stellten eine "Bedrohung der nationalen Sicherheit" dar, hieß es in einem Kabinettsbeschluss, der im staatlichen Fernsehen verlesen wurde.

Der Innenminister wurde aufgefordert, "alle nötigen Maßnahmen im Rahmen des Rechts" zu ergreifen, um gegen "Akte des Terrorismus und der Straßenblockade" im Umfeld der beiden Protestcamps vorzugehen. Ein Zeitpunkt für die Räumung wurde nicht genannt.

Das Islamistenbündnis gibt sich unnachgiebig: Es werde sich nichts ändern, sagte ein Sprecher der Demonstranten. Nachdem die Sicherheitskräfte bereits am Samstag eine Straßenblockade geräumt und dabei 81 Zivilisten getötet hatten, befürchten Beobachter neue Gewalt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wertete den neuen Kabinettsbeschluss als "Vorlage für eine Katastrophe". In der Nacht zu Donnerstag blieb es ruhig, bis zum Morgen gab es keine größeren Zusammenstöße.

Westerwelle fordert politischen Neuanfang

Als erster westlicher Außenminister seit dem Umsturz in Ägypten traf Guido Westerwelle (FDP) am Mittwochabend in Kairo ein. Auf seinem Programm stehen bis Freitag sowohl Gespräche mit Vertretern der Interimsregierung unter Übergangspräsident Adli Mansur als auch mit der Opposition. Er wolle auf beiden Seiten "die gemäßigten, die gesprächsbereiten Kräfte unterstützen", da es Stabilität nur bei gleichzeitigem Gewaltverzicht geben könne. 

Vor seinem Abflug nach Kairo bezeichnete der Außenminister Ägypten als "Schlüsselland für die gesamte Region". "Wir brauchen jetzt einen politischen Neuanfang, der die unterschiedlichen Kräfte wieder an einen Tisch bringt", sagte er. Mit seinem Besuch wolle er einen Beitrag dazu leisten.

Westerwelles Wunsch, auch den inhaftierten Mursi zu sehen, wurde von der Führung in Kairo abgelehnt. Dies sei nicht möglich, da Mursi gegenwärtig "juristischen Befragungen unterzogen" werde. Als erste ausländische Besucherin hatte zu Wochenbeginn die EU-Außenbeauftrage Catherine Ashton den inhaftierten Mursi besuchen können. Konkrete Verhandlungsergebnisse gab es aber nicht.