Sarah Abaza – Schmuckdesignerin, 32 Jahre alt

Sarah Abaza lebt in Kairo. Früher arbeitete sie für eine NGO, die sich um die Zabbalin kümmerte, wie die Müllsucher in Ägypten genannt werden, die Abfall nach Brauchbarem durchsuchen und weiterverkaufen. Heute stellt die 32-jährige Muslimin Schmuck her. Sie twittert unter sabaza81. Sie schrieb uns über die Vorgänge in Ägypten: 

Es war die Muslimbruderschaft, die zur Gewalt übergegangen ist, und das Land mit Mord und Terrorismus überzog. Es waren die Muslimbrüder, die Polizeistationen und Regierungsgebäude attackierten sowie Kirchen anzündeten. Sie benutzen Pistolen und andere tödliche Waffen. Die Armee und die Polizei versuchen Bürger und deren Besitz zu schützen. Sicher ist: Die Muslimbrüder sind keine friedlichen Demonstranten. Sie sind Terroristen.

Ich mache mir sehr große Sorgen um Ägyptens Zukunft. Uns steht ein langer, heftiger Kampf zwischen Islamisten und Armee bevor. Die Islamisten werden die Christen weiter angreifen. Ob die Demokratie noch eine Chance hat in unserem Land? Im  Moment denke ich nicht über die Demokratie nach. Ich bin einfach froh, dass die Armee regiert. Wir brauchen die Soldaten. Sie sind die einzigen, die uns vor einer islamistischen Diktatur retten können.

Cleo – Angestellte, 29 Jahre alt

Cleo lebt ebenfalls in Kairo und arbeitet für ein internationales Unternehmen. Ihren echten Namen will sie nicht veröffentlicht sehen. cleopatrina_ nennt sich die  29-Jährige auf Twitter. Uns schrieb sie Folgendes: 

Die Muslimbruderschaft ist eine große Organisation, man könnte sogar von einer Sekte sprechen. Seit den 1930er-Jahren versucht sie in Ägypten und anderen arabischen Ländern die Macht zu ergreifen. Hier hatten sie es geschafft. Doch anstatt Ägypten in eine gute Richtung zu lenken, haben sie es zugrunde gerichtet. Sie haben die Medien bedroht und die lächerlichste Verfassung erarbeitet , die es in Ägypten je gegeben hat. Mitglieder der Bruderschaft infiltrierten den Regierungsapparat.

Jetzt ist das Land wieder bei Null angekommen, wenn es nicht sogar noch schlechter dasteht als zuvor. Doch die Muslimbrüder machen weiter. Sie ignorieren die Bürger, für sie zählt nur ihre eigene Organisation. Ihre Parole lautet: Entweder wir kommen zurück an die Macht oder wir brennen das ganze Land nieder. Genau das war während der Tage nach der Regierungsauflösung zu sehen.

Kein Europäer würde sich so etwas gefallen lassen


Das, was rund um die Rabaa-al-Adawija-Moschee passierte, war unvermeidbar. Ich wünschte es hätte verhindert werden können. Die Regierung versuchte mehrmals mit den Muslimbrüdern zu verhandeln, doch sie lehnten immer wieder ab. Geht es nach der Bruderschaft, gibt es erst Verhandlungen, wenn Mursi wieder an der Macht ist.

Die Menschen in Ägypten sind in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt. Kein Europäer würde sich so eine Situation gefallen lassen. Die Polizei in Europa hätte von Anfang an durchgegriffen. Die Polizei hier in Ägypten hat sehr viel zugelassen. Sie hat nicht eingegriffen, um nicht der Gewalt bezichtigt zu werden. Als die Sicherheitskräfte  schließlich nach mehr als einem Monat das Camp der Muslimbrüder räumten, wurden sie von der ganzen Welt dafür kritisiert.

Es sind viele Menschen gestorben. Es wird leider immer Blut fließen, wenn sich Militante unter Zivilisten mischen. Die Muslimbruderschaft weiß sehr genau, wie sie die Wahrheit drehen müssen, um ihre eigenen Ziele voranzubringen. Man muss nur auf das Image schauen, das die Welt jetzt von Ägypten und dem angeblichen "Putsch" hat.

Ich glaube nicht, dass nun ein Bürgerkrieg in Ägypten ausbrechen wird. Aber es wird einige Zeit dauern, bis sich die Situation wieder stabilisiert. Die Armee und die Polizei sind sehr stark. Auch Ägyptens Grenzen sind einfacher gegen Waffenschmuggel zu verteidigen als etwa die Grenzen von Syrien und dem Irak.

Das Militär und die Polizei sollten jetzt daran arbeiten, die Straßen vor dem bewaffneten Mob zu sichern. Währenddessen kann das Parlament daran arbeiten, Präsidentschaftswahlen zu ermöglichen.