Im Norden der Halbinsel Sinai sind bei einem Anschlag unbekannter Extremisten mindestens 24 ägyptische Polizisten getötet worden. Diese seien bei einem Überfall aus dem Hinterhalt auf zwei Polizeibusse gestorben, teilte ein Behördensprecher mit. Drei weitere Beamte seien am Montagmorgen bei der Attacke mit Panzerfäusten nahe der Grenzstadt Rafah im Süden des Gazastreifens verletzt worden.

Rafah liegt auf der Sinai-Halbinsel an der Grenze zum palästinensischen Gazastreifen. Dort hat sich die Sicherheitslage seit der Revolution gegen den langjährigen Machthaber Hosni Mubarak vor gut zweieinhalb Jahren massiv verschlechtert. Vor allem im Norden der Halbinsel an der Grenze zu Israel und dem Gazastreifen sind mehrere radikal-islamische Gruppen präsent. Die Region gilt als Hochburg militanter Salafisten.

Zahlreiche Anschläge wurden auf Polizisten und Soldaten seither auf dem Sinai verübt. Im vergangenen August waren bei einem Anschlag in der Nähe der Grenzstadt 16 Soldaten getötet worden. Nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi Anfang Juli hat die Gewalt noch zugenommen. Seitdem werden nahezu täglich Angriffe gemeldet. Außerdem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und den Betreibern der Schmugglertunnel, durch die Waffen und Waren des täglichen Bedarfs in den Gazastreifen gelangen. 

Im Tränengas erstickt

Bereits in der Nacht waren bei einem Fluchtversuch von Islamisten aus einem Gefangenentransport in Kairo   mindestens 35 Mitglieder der Muslimbruderschaft getötet worden. Die Männer seien an von der Polizei eingesetztem Tränengas erstickt, teilte das Innenministerium mit. Damit stieg die Zahl der Toten der Auseinandersetzungen der vergangenen Tage auf rund 800.

Mit dem Transport sollten nach Angaben des Innenministeriums mehr als 600 Muslimbrüder und Anhänger der Islamisten von Kairo aus in ein Gefängnis am Rande der ägyptischen Hauptstadt gebracht werden. Einige der Gefangenen hätten einen Polizisten überwältigt und ausbrechen wollen. "36 von ihnen sind erstickt, nachdem die Polizei Tränengas einsetzte, um den Ausbruch zu verhindern", erklärte das Ministerium. Laut der Nachrichtenagentur Mena wurde der Transport von "unbekannten Bewaffneten" angegriffen, die den Gefangenen zu Hilfe kommen wollten.

"Die Ermordung von 35 festgenommenen Teilnehmern an Demonstrationen gegen den Sturz von Präsident Mohammed Mursi zeigt die zielgerichtete Gewalt der Sicherheitskräfte", erklärten die Muslimbrüder. Die Anhänger von Mursi, der selbst der Muslimbruderschaft entstammt, seien "das Ziel kaltblütigen Tötens".

Ägypten wird seit dem Sturz Mursis durch das Militär von Protesten seiner Anhänger erschüttert. Mitte vergangener Woche eskalierte die Lage, bei blutigen Zusammenstößen zwischen Einsatzkräften und Islamisten wurden seitdem fast 800 Menschen getötet. Zudem nahm die Polizei mehr als 1.000 Muslimbrüder und Mursi-Anhänger fest. Auch in den kommenden Tagen will die Armee ihren harten Kurs gegen die Islamisten fortsetzen . "Wir werden niemals schweigend der Zerstörung des Landes zusehen", sagte Armeechef Abdel Fattah al-Sissi am Sonntag.