Die USA haben wegen angeblicher Hinweise auf eine Terrorgefahr eine weltweite Reisewarnung herausgegeben und die Schließung von mehreren Botschaften angekündigt. Es gebe Anhaltspunkte, dass Al-Kaida oder befreundete Terroristenorganisationen Anschläge planten, teilte das US-Außenministerium mit. Besonders gefährliche Gebiete seien der Nahe Osten, Nordafrika und die Arabische Halbinsel.

"Aktuelle Informationen deuten darauf hin, dass Al-Kaida und verbundene Organisationen weiterhin Terroranschläge in der Region und darüber hinaus planen", erklärte das US-Außenministerium. Die Gefahr bestehe bis Ende August, hieß es weiter.

21 US-Botschaften und Konsulate in muslimischen Ländern von Mauretanien in Afrika bis ins asiatische Bangladesch würden daher am Sonntag nicht öffnen. Deutschland wird – wie auch die USA und Großbritannien – seine Botschaft im Jemen aus Sicherheitsgründen am Sonntag und Montag schließen . Auf der Website der deutschen Botschaft in Jemens Hauptstadt Sanaa findet sich ein entsprechender Hinweis. Details zu den Hintergründen wurden nicht genannt.

Weltweite Reisewarnung

Die Terroristen könnten US-Einrichtungen ins Visier nehmen, aber auch den öffentlichen Verkehr oder die touristische Infrastruktur. Konkrete Hinweise gab es allerdings nicht. Die US-Bürger sollten besondere Vorsicht walten lassen und ihre Reisepläne den zuständigen Konsulaten mitteilen. 

Die Schließungen der Botschaften sei als Vorsichtsmaßnahme zu verstehen. Die 21 US-Vertretungen könnten aber auch über den Sonntag hinaus geschlossen werden.

Eine derartige weltweite Reisewarnung ( Travel Alert ) gilt als außergewöhnlich: Ansonsten warnt das US-Außenministerium in aller Regel vor Reisen in bestimmte Länder. Ein Travel Alert gilt als eine kurzfristige, ein Travel Warning als langfristige Warnung. Das Auswärtige Amt hat seine Sicherheitshinweise für deutsche Staatsbürger zunächst nicht verändert. Die Sicherheitslage werde laufend und in enger Abstimmung auch mit den USA überprüft, hieß es unmittelbar nach der US-Warnung aus dem Ministerium.

"Weit mehr als das übliche Geschwätz"

Die US-Behörden haben laut New York Times E-Mails abgefangen, in denen hochrangige Führer der Al-Kaida ihre Pläne für Anschläge gegen amerikanische Gebäude in Nordafrika, im Nahen Osten und auf der Arabischen Halbinsel diskutierten. "Das war weit mehr als das übliche Geschwätz", sagte ein hochrangiger Regierungsbeamter der Zeitung. 

Die abgefangenen E-Mails stehen nach Einschätzung der US-Behörden im Zusammenhang mit einer Botschaft des Chefs von Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri . Er hatte am Donnerstag auf dschihadistischen Foren zu Angriffen auf die USA aufgerufen, um Rache für den US-Drohneneinsatz im Jemen und andere Militäraktionen in der arabischen Welt zu nehmen.

In einem Interview des TV-Senders ABC präzisierte Martin Dempsey, Chef des Generalstabs der US-Armeen, dass die Islamisten nicht nur Einrichtungen der USA ins Visier nehmen würden, sondern des Westens allgemein: "Es gibt eine bedeutende, konkrete Bedrohung durch Al-Kaida und ihrer Verbündeten, wir nehmen dies ernst." Ein genaues Ziel für einen Anschlag sei nicht bekannt.

In der Washington Post vermuten Terrorismus-Experten hinter den Anschlagsplänen eine Vergeltung für den Tod des Al-Kaida-Führers Said Ali Al-Shihri, der im November 2012 bei einem US-Drohnenangriff im Jemen getötet wurde. Er galt als Nummer 2 des Terrornetzwerks auf der Arabischen Halbinsel. Seinen Tod hatte Al-Kaida erst im Juli bestätigt.

Die erhöhte Terrorgefahr könnte auch mit dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan zusammenhängen. Zudem nähert sich das symbolhafte Datum des 11. September, an dem 2001 bei den Terrorangriffen in New York und Washington rund 3.000 Menschen starben. Vor einem Jahr wurden bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi vier US-Diplomaten getötet .