Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den Vorwurf der Türkei zurückgewiesen, sein Land sei am Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi mitbeteiligt. Die entsprechenden Äußerung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan seien "absurd", sagte Netanjahu.

Türkische Medien hatten Erdoğan mit den Worten zitiert, Israel stecke hinter dem Putsch in Ägypten . "Wir haben dafür Beweise", soll er bei einem Treffen seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP gesagt haben. Als Beleg habe Erdoğan angeführt, es sei bereits 2011 bei einem Treffen eines israelischen Regierungsmitglieds mit einem französischen Intellektuellen besprochen worden, dass die ägyptischen Muslimbrüder auch bei einem Wahlsieg nicht an die Macht kommen dürften. Namen nannte er nicht.

Nach Informationen der türkischen Zeitung Hürriyet handelt es sich bei dem Beleg um ein Video, das die heutige israelische Justizministerin Zipi Livni bei einer Podiumsdiskussion an der Seite des Philosophen Bernard-Henri Lévy zeigt. Während Lévy über Demokratie und Wahlen spricht, nickt Livni gelegentlich mit dem Kopf.

Erdoğan forderte, angesichts der Entmachtung Mursis nicht zu schweigen, "sonst haben wir kein Recht, etwas zu sagen, wenn uns in der Zukunft die gleiche Falle gestellt wird".

Die USA verurteilten die Äußerungen des türkischen Premiers umgehend. "Die Andeutung, dass Israel in irgendeiner Weise für die jüngsten Ereignisse in Ägypten verantwortlich ist, ist anstößig, unbegründet und falsch", sagte ein Sprecher des Präsidialamtes. Aus dem Weißen Haus hieß es, die Aussagen seien "beleidigend und unbegründet".

USA und EU prüfen Unterstützung für Ägypten

In den USA waren derweil Stimmen laut geworden, die Unterstützung für das Militär in Ägypten einzustellen. In Ägypten stieß dies auf Kritik. Mit einem solchen Schritt würde die Regierung in Washington einen Fehler begehen, sagte Übergangsregierungschef Hasim al-Beblawi. Ein Ende der US-Militärhilfe wäre "ein schlechtes Signal" und würde das ägyptische Militär "für einige Zeit hart treffen". Letztlich würde sein Land aber auch ohne die Hilfe aus Washington auskommen, sagte er. So könnte ja beispielsweise Russland militärische Unterstützung leisten.

Auch die Europäische Union überprüft ihre Unterstützung für das Land. Dazu treffen sich die Außenminister der 28 EU-Staaten in Brüssel zu einer Sondersitzung. Angesichts der unverminderten Gewalt hielten Diplomaten einen vorläufigen Stopp von Waffenlieferungen für möglich. Die Finanzhilfe dürfte allerdings bestehen bleiben, sofern sie der Bevölkerung oder Nichtregierungsorganisationen im Kampf für die Demokratie zugutekommen.

Der EU-Sondergesandte für das südliche Mittelmeer , der spanische Diplomat Bernardino Léon, sprach sich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung dafür aus, den Dialog mit der Übergangsregierung in Ägypten aufrecht zu erhalten. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bot erneut an, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.

Seit Mursis Entmachtung durch das Militär am 3. Juli stehen die Muslimbrüder und die vom Militär gestützte Übergangsregierung in einem Machtkampf. Bei Auseinandersetzungen starben zuletzt innerhalb einer Woche mehr als 900 Menschen. Internationale Entrüstung war die Folge. Am Dienstag hatte die Militärführung das Oberhaupt der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, verhaften lassen.