Der japanische Finanzminister und stellvertretende Ministerpräsident Taro Aso hat die Kritik an seinen Äußerungen über die Politik der Nationalsozialisten als Missverständnis bezeichnet. In der Debatte um eine Verfassungsänderung hatte der Vize-Premier die Taktik der Nazis als nachahmenswert bezeichnet. Japan sollte analysieren, wie die Nazi-Partei (NSDAP) heimlich die Verfassung Deutschlands vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verändert habe, bevor es jemand bemerkte, hatte er vor Mitgliedern einer ultrakonservativen Gruppe in Tokio gesagt. 

Medien zitierten ihn mit den Worten, "die deutsche Weimarer Verfassung wurde, ohne dass dies auffiel, durch die Verfassung Nazi-Deutschlands ersetzt, warum lernen wir nicht von ihrer Taktik?" Der Vize-Premier bezog sich damit auf eine geplante Änderung der japanischen Verfassung, die derzeit in den Medien sowie bei den Nachbarn China und Südkorea diskutiert wird. Aso hatte im In- und Ausland Empörung ausgelöst. 

Nun erläuterte er, er habe lediglich sagen wollen, dass eine laute Diskussion darüber, ob Japan seine nach Kriegsende entstandene, pazifistisch orientierte Verfassung ändern solle, nicht hilfreich sei, sagte Aso. Es sei jedoch "klar", dass er eine "außerordentlich schlechte Meinung" von den Nazis habe. Daher wolle er seine Äußerungen "zurückziehen".  

Problematischer Vergleich

Japan erwägt eine Änderung der Verfassung, die das Land auf Druck der USA seit dem Zweiten Weltkrieg auf eine pazifistische Außenpolitik festlegt. Premier Shinzo Abe glaubt, dass die Nachkriegsordnung nicht der einer unabhängigen Nation entspricht. Angesichts aktueller Gebietsstreitigkeiten mit China und Südkorea sollen die japanischen Truppen nach dem Willen der Regierungspartei nun zu regulären Streitkräften aufgewertet werden.

Abes Stellvertreter Aso ist bekannt für umstrittene Äußerungen. So hatten ihn Medien einmal mit den Worten zitiert, er wolle Japan zu einem Land machen, wo "reiche Juden" gerne leben würden. Jüdische Gruppen und Südkorea kritisierten den Kommentar des Finanzministers als Beispiel dafür, dass Japan nicht aus seiner militaristischen Vergangenheit gelernt habe.