Der Chef des US-Geheimdienstes NSA , General Keith Alexander, geht angesichts der weltweiten Kritik an den Überwachungsprogrammen seiner Behörde in die Offensive. Er forderte während einer Konferenz in Las Vegas die anwesenden Hacker auf, dem Geheimdienst zu helfen, das Land zu verteidigen. "Wir stehen für Freiheit", sagte er laut einem Bericht der Washington Post .

Er begründete den Aufruf unter anderem damit, dass die NSA-Mitarbeiter Terroristen finden wollten. Sie beobachteten nicht unbescholtene Amerikaner. Die Medien stellten Fakten über NSA-Programme falsch dar, beklagte Alexander. Der Ruf der Mitarbeiter des Geheimdienstes sei beschädigt, weil nicht alle Tatsachen auf dem Tisch lägen.

Auch die Regierung verteidigte die Online-Überwachungsaktivitäten gegen Kritik, nachdem neue Informationen über das Überwachungsprogramm XKeyscore aufgekommen waren . Mit dem Programm lassen sich dem Guardian zufolge Kommunikation und Netzaktivitäten von Nutzern noch stärker überwachen als bisher bekannt.

Das Programm sei nur ausgewählten Personen zugänglich und unterliege schärfster "Aufsicht und technischer Kontrolle" gegen Missbrauch, hieß es im Pressebriefing des Weißen Hauses . "Der Vorwurf flächendeckender, ungeprüfter Zugriffe auf NSA-Daten ist falsch", versicherte Präsidentensprecher Jay Carney. Auch der Auslandsgeheimdienst NSA widersprach der Behauptung, er sammele "willkürlich und grenzenlos" Informationen, und warnte vor der Gefährdung wichtiger Quellen und Aufklärungsinstrumente durch Medienberichte.    

Der Guardian hatte zuvor ein bisher unbekanntes Dokument von 2008 zu XKeyscore veröffentlicht: Laut den Unterlagen, die der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden der Zeitung übermittelte, erlaubt das Programm in Echtzeit die Einsicht in "praktisch alles, was ein gewöhnlicher Nutzer im Internet tut". Es wertet jährlich Hunderte von Milliarden Datensätzen aus. 

Auch Facebook-Chats lassen sich mitlesen

Laut Guardian können die NSA-Mitarbeiter in XKeyscore nach Namen, E-Mail-Adressen, IP-Adressen, Schlüsselwörtern in Suchmaschinen-Abfragen, Sprache des Verdächtigen oder dem verwendeten Browser suchen und filtern. Möglich ist das alles ohne Zustimmung eines Richters.

Auch Telefonnummern, Chat-Nutzernamen und Freundeslisten sowie bestimmte Cookies sind denkbare Kategorien. Zudem ist es möglich, Facebook-Chats mitzulesen oder die IP-Adresse jedes Besuchers einer bestimmten Internetseite zu erfahren.

So kann das Netz dem Bericht zufolge etwa nach Personen durchsucht werden, die in Pakistan auf Deutsch kommunizieren oder den Kartendienst Google Maps nutzen, um Anschlagsziele auszuspähen.

Inhalte der Kommunikation speichert XKeyscore dem Bericht zufolge drei bis fünf Tage lang, Verbindungsdaten 30 Tage. Im Jahr 2012 seien binnen 30 Tagen etwa 41 Milliarden Datensätze zusammengekommen. Interessante Daten lagert die NSA an externe Orte aus, um sie später auszuwerten.

Laut dem Bericht fassten Ermittler dank des Programms "mehr als 300 Terroristen". Einen Teil von XKeyscore nutzt auch der deutsche Bundesverfassungsschutz.