Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat sich im Streit um angebliche Schwarzgeldkassen bei seiner Volkspartei PP vom ehemaligen Schatzmeister Luis Bárcenas distanziert. "Es war falsch, jemandem weiter Vertrauen zu schenken, von dem wir jetzt wissen, dass er es nicht verdiente", sagte Rajoy im Parlament zum Auftakt einer Sondersitzung zu den Verdächtigungen und Vorwürfen.

Die Aussagen Bárcenas', wonach er jahrelang unter der Hand Geld an Spitzenfunktionäre der konservativen Regierungspartei ausgezahlt hatte, wies der Ministerpräsident zurück. Seinen langjährigen Parteifreund Bárcenas bezeichnete Rajoy vor dem Parlament als "Verbrecher".

Rajoy stellte sich in seiner Rede als Opfer dar. Einen Rücktritt schloss er erneut aus. Er habe keinen Schuldigen gedeckt, vielmehr sei er getäuscht worden, sagte er.

Bárcenas sitzt wegen Bestechung, Geldwäsche, Steuerhinterziehung und weiterer Vergehen in Untersuchungshaft.

Rajoy will an Amt und Reformen festhalten

Als Konsequenz aus der Angelegenheit werde die Regierung die Anti-Korruptionsgesetze sowie die Vorschriften für die Vergabe öffentlicher Aufträge verschärfen, kündigte Rajoy an.

Er selbst werde weitermachen und an den Wirtschaftsreformen festhalten. "Nichts im Zusammenhang mit der Affäre hat mich aufgehalten oder wird mich davon abbringen, zu regieren", sagte der 58-Jährige.

Bárcenas hatte ausgesagt, Rajoy und anderen führenden Parteimitgliedern zwischen 2008 bis 2010 Umschläge mit Bargeld übergeben zu haben. Das Geld soll unter anderem von Bauunternehmen stammen und als Gegenleistung für lukrative Aufträge an die Partei geflossen sein. Rajoy selbst wird keines Vergehens beschuldigt. Er hat wiederholt bestritten, illegale Zuwendungen erhalten zu haben.