Das amerikanisch-russische Verhältnis ist auf einem Tiefpunkt, seit US-Präsident Barack Obama ein Treffen mit Wladimir Putin in Moskau abgesagt hat – dennoch versichern beide Seiten ihren Willen zur guten Zusammenarbeit. In Washington kamen am heutigen Freitag die Außen- und Verteidigungsminister beider Länder zusammen .

"Es ist kein Geheimnis, dass wir einige herausfordernde Momente erlebt haben", sagte US-Außenminister John Kerry . Das dürfe aber nicht die Kooperation in wichtigen außenpolitischen Fragen verhindern. Sein russischer Kollege Sergej Lawrow sagte, beide Länder seien in der Weltpolitik "durch eine gemeinsame Verantwortung vereint". "Wir müssen wie Erwachsene miteinander arbeiten. Und das tun wir. Und wir hoffen, das beruht auf Gegenseitigkeit."

Hintergrund der Zerwürfnisse ist der Streit um den früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden , der Überwachungsprogramme des US-Geheimdienstes NSA publik gemacht und in Russland Asyl erhalten hatte. Die USA hatten dies scharf kritisiert: Sie wollen Snowden wegen Geheimnisverrats vor Gericht stellen.

Obamas Absage habe den Kreml nicht überrascht, sagte Putins außenpolitischer Berater, Juri Uschakow, nach einem Treffen mit US-Botschafter Michael McFaul. "Wir waren darauf gefasst, unter Berücksichtigung der Diskussionen in den Medien und der politischen Stimmung in den USA im Zusammenhang mit dem Fall Snowden", sagte er.

Obama gibt erstmals seit Spähaffäre Pressekonferenz

Russland und die USA würden trotz aller Differenzen ihre Kooperation über verschiedene Kanäle fortsetzen und alle wichtigen Themen besprechen, eine "Vergeltung" für die Absage aus Washington sei nicht geplant. "Wir haben klar gemacht, dass wir enttäuscht sind, dass aber die Einladung weiterhin gilt", sagte er. "Wir wissen, dass die Kontakte früher oder später wieder aufgenommen werden." Auch am Rande des G-20-Gipfels in St. Petersburg wird es aber kein Treffen zwischen Putin und Obama geben, sagte Uschakow. Eine solche Begegnung müsse in Moskau stattfinden, hieß es zur Begründung.

Auch abgesehen von der Debatte um Snowden ist die Liste der Streitpunkte zwischen Russland und den USA lang . Uneins ist man sich etwa beim Thema Syrien : Während Russland das Regime von Präsident Baschar al-Assad unterstützt, beliefern die USA die syrischen Rebellen mit leichten Waffen. Auch im Streit um eine geplante US-Raketenabwehr liegen US-Verteidigungsminister Chuck Hagel und sein russischer Kollege Sergej Schoigu weit auseinander. Russlands Umgang mit Homosexuellen stand bei dem Ministertreffen ebenfalls auf der Agenda. Die USA hatten die restriktive russische Gesetzgebung im Umgang mit Schwulen, Lesben und Transsexuellen wiederholt kritisiert.

Präsident Obama wird sich voraussichtlich am heutigen Freitagabend zu dem Treffen äußern: Erstmals seit Bekanntwerden der Spähaffäre gibt der Präsident dann eine Pressekonferenz im Weißen Haus. Es wird erwartet, dass er dabei auch zu seiner Entscheidung Stellung bezieht, das Treffen mit Putin abzusagen.