Die syrische Luftwaffe versucht offenbar, mit Bombenangriffen ein weiteres Vorrücken der Rebellen in das Kernland der Alawiten von Präsident Baschar al-Assad zu stoppen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London zählte mehr als 20 Tote durch einen Angriff auf den Ort Salma. Darunter seien zahlreiche Zivilisten, hieß es.

Das sunnitische Dorf liegt in den Dschabal-Akrad-Bergen am Mittelmeer in Assads Heimatprovinz Latakia . Dort sind die Regierungstruppen seit Wochen in der Defensive. Die überwiegend sunnitischen Aufständischen haben in diesem Monat mehrere Alawiten-Orte eingenommen und dabei Hunderte Menschen getötet. Angaben aus Syrien lassen sich jedoch nicht überprüfen, da unabhängige Journalisten nur begrenzt Zugang haben.

Den Angaben der Oppositionellen nach flog das Militär auch auf die von Rebellen gehaltenen Stadt Raka einen Angriff. Ein Hubschrauber soll mehrere Sprengsätze abgeworfen haben. Dadurch sollen mehr als 30 Menschen gestorben sein.

Mehr als 100.000 Tote

Seit Beginn der Aufstände im März 2011 dokumentierte die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter den gewaltsamen Tod von 106.423 Menschen. Vermutlich sind es noch mehr, da weder die Armee noch die Rebellen die Zahl der Getöteten aus ihren Reihen nennen können, hieß es. Laut Recherchen der Organisation starben 53.851 Zivilisten, unter ihnen 5.553 Kinder. Die Zahl der getöteten Soldaten der Regierungstruppen gab sie mit 26.853 an. Zudem wurden 17.564 Todesfälle aufseiten der regimetreuen Milizen dokumentiert. 

Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk von Ärzten und Informanten vor Ort. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Menschen, die durch den Aufstand gegen das Regime von Assad ums Leben gekommen sind, auf über 100.000. 

Friedenskonferenz für Syrien

Die USA und Russland bekräftigten ihren Willen zu einer Friedenskonferenz. Diese müsse "so bald wie möglich" stattfinden, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry . Ende August sollen Diplomaten beider Länder zusammenkommen, um über die Organisation der Konferenz, die Genf 2 heißen soll, zu beraten.  

Damit wollen die Initiatoren an ein Abkommen anknüpfen, das die syrische Regierung und die Opposition am 30. Juni 2012 in Genf schloss. Es sieht eine Übergangsregierung vor, der auch Vertreter der Führung um Präsident Assad angehören. Das Abkommen wurde nie umgesetzt.

Russland ist einer der letzten Verbündeten der syrischen Regierung und verhinderte wiederholt eine Verurteilung des Landes im UN-Sicherheitsrat . Trotz internationaler Kritik liefert Russland auch weiterhin Waffen in die Region.