Sollten die USA nach dem Vorbild des Kosovo-Krieges oder des Libyen-Einsatzes die Nato zu einem gemeinsamen Einsatz gegen syrische Militärstellungen bewegen, wären zudem die Awacs-Flugzeuge gefragt, die über Hunderte von Kilometern den Luftraum überwachen können – über dem Mittelmeer kreisend bis weit nach Syrien hinein. Aus diesen Boeing-Maschinen mit ihrer charakteristischen Radarantenne können auch Kampfjets gesteuert werden – und ohne die Bundeswehr wären die Awacs-Maschinen nur begrenzt einsatzfähig: Etwa ein Viertel der Besatzungsmitglieder in den Flugzeugen, die in Geilenkirchen bei Aachen stationiert sind, stellt die Bundeswehr.

Auch zum Schutz der vier Zerstörer der US-Marine im östlichen Mittelmeer, die mit ihren Tomahawk-Marschflugkörpern als wahrscheinlichste Einsatzoption der Amerikaner gelten, könnte die Bundeswehr etwas tun: Erst vor Kurzem hatte die deutsche Fregatte Hamburg die Flugabwehr eines US-Trägerverbandes im Persischen Golf organisiert. Das wäre genauso für die Zerstörer möglich, wenn auch vermutlich nicht erforderlich – eine Option, die damit recht unwahrscheinlich ist.

Selbst für die aus politischer Sicht unwahrscheinlichste Möglichkeit, die direkte Beteiligung der deutschen Luftwaffe an Angriffen auf syrische Stellungen, hat die Bundeswehr die nötigen Fähigkeiten: In den Depots liegen knapp 600 Marschflugkörper vom Typ Taurus. Mit einem Tornado-Jagdbomber können sie bis 350 Kilometer vor ihr Ziel gebracht werden, ohne dass die Kampfjets auch nur in den Bereich der gegnerischen Luftabwehr kommen – die deutschen Marschflugkörper finden dann den programmierten Einschlagsort. Allerdings müssten für einen solchen Einsatz deutsche Tornados in die Region verlegt werden, was Zeit kostet.

Ob irgendeine dieser Fähigkeiten der Bundeswehr in einem militärischen Einsatz gegen Syrien genutzt wird – das ist eine politische Frage. Am wahrscheinlichsten – und schon geschehen – ist die Sammlung von Information durch das Flottendienstboot. Doch die Behauptung, dass die Bundeswehr gar nicht in der Lage wäre, an einem solchen Einsatz teilzunehmen, ist nichts anderes als sich vor der politischen Entscheidung wegzuducken.